• Das Feuer war geplant, die Folgen nicht. Die Flammen bedrohen nun eine ganze Stadt und ein Atomlabor

Welt : Das Feuer war geplant, die Folgen nicht. Die Flammen bedrohen nun eine ganze Stadt und ein Atomlabor

Elly Junghans

Die Spur des Feuers verläuft quer durch Los Alamos: Auf der einen Seite der Arizona Avenue parkt ein Mittelklassewagen unversehrt vor einem Einfamilienhaus. Gegenüber steht ein fast zur Unkenntlichkeit verbrannter Minibus vor den rauchenden Trümmern einer gerade erst fertig gestellten Villa. Während die Feuerwehr am Freitag darauf setzte, dass der Wind nachlassen würde, der die Brände erbarmungslos durch die Stadt mit dem legendären Atomlabor der USA getrieben hatte, standen Hunderte Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz. "Ich habe die ganze Nacht gebetet, dass es nicht abbrennen würde, aber dann geschah es doch", sagte Irene Chamita von der Freiwilligen Feuerwehr am Donnerstag vor den Überresten ihres Hauses in Los Alamos.

Bei den Einwohnern der Wohnstädte rund um das Atomlabor herrschte eine Mischung zwischen Erleichterung, mit dem Leben davongekommen zu sein, und Wut auf die Verursacher des Feuers. Mehr als 20.000 Menschen mussten in kürzester Frist evakuiert werden, weil der Nationalparkdienst die Kontrolle über einen Brand verlor, den er absichtlich in einem nahe gelegenen Park gelegt hatte. Die Park Ranger hatten das Unterholz abbrennen wollen, um die Ausbreitung von Waldbränden zu verhindern - genau das Gegenteil geschah.

Offensichtlich hatte der Parkdienst bei der Planung des kontrollierten Feuers nicht mit dem starken Wind gerechnet, der die Flammen in Richtung Los Alamos trieb. Ein Fax des Nationalen Wetterdienstes mit den aktuellsten Daten wurde missachtet. Experten wiesen allerdings darauf hin, Trockenheit und Wind seien die Voraussetzung für absichtliche Brände, um eine gesundheitsgefährdende Rauchentwicklung zu verhindern. US-Präsident Bill Clinton sagte, eine Untersuchung werde die Fakten zu Tage bringen und die Verantwortlichkeiten klären. Der verantwortliche leitende Beamte wurde in den bezahlten Urlaub geschickt.

Die US-Regierung wurde nicht müde zu versichern, dass keine Gefahr des Austretens von Radioaktivität bestehe - obwohl der Waldbrand auch über das 770 Hektar große Gelände des Atomlabors fegte. "Wir haben Maßnahmen ergriffen, um unser Labor und die dort befindlichen Werte zu sichern", sagte Clinton am Donnerstag im Weißen Haus. Energieminister Bill Richardson berichtete, die Flammen seien bis auf wenige Meter an ein Plutoniumlager herangekommen - "aber unsere Laborgebäude sind sicher". Am Donnerstagabend erklärte er die Gefahr für gebannt. Nationalgardisten waren im Einsatz, um die Anlage zu sichern, deren Mitarbeiter bereits am Montag evakuiert wurden. Ein Sprecher des Labors betonte, die Plutonium-Anlagen entsprächen höchsten Sicherheitsstandards. Das atomare und explosive Material werde in massiven Betonbunkern gelagert, die Erdbeben, Flugzeugabstürzen und Bränden standhalten könnten. Zeugen berichteten, sie hätten am Donnerstagabend aus Richtung des Forschungszentrums zwei Explosionen gehört. Zuvor waren Gerüchte dementiert worden, die Armee transportiere das spaltbare Material an einen sichereren Ort. Behördenvertreter versicherten überdies, es sei bisher keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden.

Rund 800 Feuerwehrleute kämpften zunächst vergebens gegen das Feuer, unterstützt von Helikoptern und Löschflugzeugen. Ein Sprecher des Katastrophenschutzzentrums in Santa Fe nannte Freitag den entscheidenden Tag für die Brandbekämpfung, da der Wind nachlassen und seine Richtung wechseln werde. Die US-Regierung bat Russland darum, mit zwei großen Löschflugzeugen auszuhelfen. Geschlossen blieb am Freitag auch der Nordrand des Grand Canyon. An der beliebten Touristenattraktion war ein anderes vom Parkdienst gelegtes Feuer außer Kontrolle geraten.Weiteres zum Thema unter www.fas.org/nuke/guide/usa/ und facility/los-alamos.htm

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