Welt : "Das große Giggler-Geheimnis": Spinnweben

Simone Leinkauf

Kleine Brüder können eine Plage sein - vor allem, wenn sie in ihrem Zimmer Käfer und Spinnen beherbergen und von giftigen Schlangen träumen. Bennie ist ein solcher Bruder: neun Jahre alt, witzig, charmant und an Ungeziefer mehr interessiert als an seinen Geschwistern. Die 14-jährige Jo und der ein Jahr ältere Kevin verabscheuen Bennies liebste Mitbewohner, auch wenn sie sein fanatisches Engagement für diese schon wieder gut finden. Und so wird der Club, den sie in einem verfallenen Häuschen im neuen Garten gründen, "Bughouse" (Wanzenhaus) genannt. Mitglieder sind neben den Geschwistern der schwarze Student Jay und Kevins Schulfreund Dirk. Die Südafrikanerin Lesley Milne verfolgt in ihrem Jugendroman "Schattenspringer - Eine Freundschaft in Südafrika" zwei Handlungsstränge: Ins Nachbarhaus zieht eine neue Familie ein, in deren 15jährigen Sohn Mike sich Jo auf den ersten Blick verliebt. Doch Mike ist ein Einzelgänger, der keinen an sich ranlässt und immer wieder mit neuen Verletzungen erscheint. Mal ist er die Treppe heruntergefallen, mal hat er sich irgendwo gestoßen. Kevin bekommt mit, dass Mike große Probleme mit seinem Stiefvater hat. Doch er schweigt - bis Mike von zu Hause ausreißt und erst in letzter Minute gerettet werden kann.

Mit viel Gespür für die Personen erzählt Milne vom Leben im heutigen Südafrika, vom Ende der Apartheid, das noch längst nicht in allen Köpfen angekommen ist. Milne erzählt von Hass und Verbohrtheit, von Liebe, Freundschaft und Toleranz, ohne belehrend den Finger zu heben. Dirk ist nicht nur der rassistische Hetzer, sondern auch ein Pubertierender, der unglücklich in die Schwester seines besten Freundes verliebt ist und seinen Weg noch längst nicht gefunden hat. Ein stilles und stilsicheres Buch.
Simone Leinkauf

Lesley Milne: Schattenspringer. esslinger edition, Esslingen/Wien 2001. 200 S., 19,90 DM.

Mister Mack, Kekstester von Beruf und eine Seele von Mensch, ist auf dem Weg zum Bahnhof, dreht sich einmal nach einer Möwe um und sieht dadurch nicht den dampfenden Hundehaufen, der auf seinem Weg liegt. Tritt er nun hinein oder nicht? Aus diesem simplen Vorgang - Mann tritt in Hundehaufen - strickt Roddy Doyle ein irrwitziges, komisches und skurriles Kinderbuch, das auch Erwachsene mit großer Spannung lesen.

Warum Hundehaufen überall lauern, das ist "Das große Giggler-Geheimnis". Roddy Doyle hat ein Herz für Kinder und für Hunde. Und wir lernen durch ihn, dass es keineswegs die Hunde sind, die unsere Gehwege verunzieren, sondern Giggler. Dass die Giggler wiederum dieses schändliche, übelriechende Handwerk betreiben, ist aber wiederum die Schuld der Erwachsenen. Nicht immer gehen Erwachsene fair und gerecht mit ihren Kindern um. Kinder können ein Lied davon singen - und werden mit Begeisterung dieses Buch lesen. Doyle erzählt nun aber nicht nur eine Geschichte, nein, er kommentiert sie, nimmt den Leser bei der Hand, leitet ihn, führt ihn wieder in die Irre, gibt Kapitel an, in denen eigentlich nichts steht, streitet mit dem Leser über die Nummerierung der Kapitel, bis das Tohuwabohu immer größer wird.Oft steckt der Witz in Randbemerkungen. Doyle fabuliert und schwadroniert drauf los, dass es eine Freude ist. Zwischendurch stellt sich immer wieder die spannende Frage, wieviele Zentimeter Mister Macks Fuß noch von dem dampfenden Haufen entfernt ist. Wer dieses Buch gelesen hat, wird Kinder und Hunde mit anderen Augen sehen und sich wundern, wie oft Erwachsene Kindern so übel mitspielen. Lägen sonst so viele Hundehaufen auf den Bürgersteigen?
Rolf Brockschmidt

Roddy Doyle: Das große Giggler-Geheimnis. Aus dem Englischen von Andreas Steinhöfel. Bertelsmann Jugendbuch Verlag, München 2001. 112 Seiten, 22 DM. Ab acht Jahren.

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