Welt : Das große Manöver

Ganz, ganz langsam hebt sich die Costa Concordia – der Rost- und Dreckstreifen wird immer breiter.

Der Dreck und Rost zeigt den Teil der Costa Concordia, der 20 Monate lang unter Wasser lag. Foto: Tony Gentile/Reuters
Der Dreck und Rost zeigt den Teil der Costa Concordia, der 20 Monate lang unter Wasser lag. Foto: Tony Gentile/ReutersFoto: Reuters

Rom - Gut 20 Monate nach dem Kentern der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio hat die spektakuläre Bergung des Kreuzfahrtriesen begonnen. Ganz, ganz langsam hebt sich das Schiff. Das Schiff sollte innerhalb von zehn bis zwölf Stunden in einem technischen Kraftakt ganz aufgerichtet sein, um später in einem Stück weggeschafft zu werden. Bergungsexperten hatten das havarierte Schiff bis Montagnachmittag bereits aus seiner in Felsen eingekeilten Lage befreit. Die Bergung verlaufe nach Plan, sagte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli, allerdings sei die rechte Seite des Wracks „beträchtlich deformiert“.

Ein etwa ein Meter breiter Rost- und Dreckstreifen des Wracks, der sich zuvor noch unter Wasser befunden hatte, war, wie von Experten erwartet, bereits zwei Stunden nach Beginn der Aufrichtung am Morgen wieder sichtbar, wie Bilder von den Arbeiten zeigen. Das Schiff lag auf der Seite auf zwei Felsen, in die es teilweise verkeilt war. Mit Stahlseilen und Gegengewichten gelang es am Vormittag, das Wrack von dem felsigen Untergrund zu lösen. „Dies waren die Stunden der größten Unsicherheit, da wir nicht genau wussten, wie eingeklemmt das Schiff war“, erläuterte Sergio Girotto von dem Bergungsteam Titan-Micoperi. Ziel ist es, das riesige Schiffswrack aufzurichten und wieder behelfsmäßig schwimmfähig zu machen. Dass die unter Wasser liegende Steuerbordseite stark demoliert ist, könnte das Verfahren erschweren.

Schlechtes Wetter mit Gewitter in der Nacht zum Montag hatte den Bergungsbeginn frühmorgens um drei Stunden verzögert und Schaulustige sowie Medienvertreter lange warten lassen. „Um Punkt neun Uhr hatten wir alle Kontrollen erledigt und die Bergungsoperation gestartet“, teilte das internationale Expertenteam auf der Insel mit. In dieser kompliziertesten Phase der einzigartigen Bergungsaktion wollten die Experten den Kreuzfahrtkoloss mit Stahlseilen und aufwendiger Technik im Schneckentempo um 65 Grad zurück in seine aufrechte Lage ziehen. Die Bergung kostet nach Angaben der Reederei Costa Crociere insgesamt mindestens 600 Millionen Euro. Das Bergungsteam muss vorsichtig vorgehen, damit das Wrack nicht weiter beschädigt wird oder sogar zerbricht. Das Schiff soll mit Schwimmkästen an beiden Seiten stabilisiert werden, damit es abgeschleppt werden kann. Tsp/dpa

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