Welt : Das heimliche Klassensystem Manhattans

KATHARINA PINI (dpa)

Das Rätselraten um prominente Bewohner der Upper East Side ist ein GesellschaftsspielVON KATHARINA PINI (dpa) NEW YORK.Sage mir, wo Du wohnst, und ich nenne Dir deinen Kontostand.Rätselraten um prominente Bewohner und exorbitante Mieten von Wohnungen in Toplagen ist geradezu ein Gesellschaftsspiel in New York.Immobilienmakler Peter Lane beschreibt den Trend als Faszination des "heimlichen Klassensystems Manhattans". Traditionell liegen die prachtvollsten Domizile auf der schon immer etwas teureren "Upper East Side" zwischen Central Park und East River.In Wahrheit sind es nur die drei prächtigsten Avenues in unmittelbarer Parknähe, die der Geldadel der Stadt als Residenz akzeptiert.Entsprechend knapp ist das Angebot von Luxus-Apartments mit besonderer Adresse und berühmtem Blick.Je älter (aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg), je größer (mindestens zwölf Zimmer) und je berühmter der Vormieter (von den Vanderbuilts bis zu Jacqueline Kennedy Onassis), desto geeigneter das neue Apartment als Symbol für den eigenen Status. Und umso teurer: 820, 5th Avenue mit Blick auf den Central Park, Luxus-Bau von 1916, Apartment mit 18 Räumen auf 650 Quadratmetern für 15 Millionen Dollar und monatlichen Nebenkosten von 14 000 Dollar.Nr.950, ebenfalls 5th Avenue, hat sogar einen Ballsaal mit Pariser Fenstern und eine "Georgian Suite", in der einmal im Monat ein Luxus-Dinner vom Hauskoch vorbereitet wird. Wer wohnen möchte wie Jacqueline Kennedy Onassis oder Lawrence Rockefeller, der braucht den richtigen Makler und die Zustimmung der Mitbewohner.Eine neue Klasse von "Social Brokers" hat sich auf die Vermittlung von Wohnungen in "A-Plus Gebäuden" spezialisiert.Sie haben intime Kenntnisse und müssen den Apartmentsuchern, denen es vor allem um Status geht, dem Bewohnerrat vorschlagen. Dieses unberechenbare Gremium mit Vorstandskompetenzen prüft strengstens, ob der Anwärter auch in das eigene Luxus-Milieu paßt.Steven Spielberg paßte für acht Millionen Dollar und auch Bruce Willis für 7,5 Millionen Dollar: Beide kauften sich an der Upper West Side ein, die rivalisierende und billigere Alternative zur Ostseite, wo gerade für einen Rekordpreis von neun Millionen Dollar ein Apartment den Besitzer wechselte. Als Faustregel für eine mögliche Akzeptanz bei den Mieterräten gilt die Fähigkeit, eine Kaufsumme von 15 Millionen Dollar in bar zu zahlen.Pluspunkte sind außerdem beachtliche mäzenatische Neigungen, elitäre schulische Herkunft und respektable Club-Mitgliedschaften. "Die 12 000 Dollar monatliche Nebenkosten kann sich jeder leisten", sagt "Social Broker" Sharon E.Baum der "New York Times": "Darum geht es nicht." Eine "A-Plus"-Adresse gilt als sozialer Code, mit dem sich verdeckter Reichtum entdecken läßt.Zur "Spitze der Weltgesellschaft" gehöre man, wenn man die Anhörung vor dem Mieterrat besteht.Peinlich, wenn nicht: Barbra Streisand und Richard Nixon blitzten ab.So ist das Leben.

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