Welt : "Das ist nicht das Ende der Arkona"

Holger Müller-Hillebrand

Wird über berühmte deutsche Kreuzfahrtschiffe gesprochen, dann fällt stets auch ihr Name: MS Arkona. 20 Jahre ist sie jetzt schon alt, und noch immer gilt der 165 Meter lange und 23 Meter breite weiße Riese der Weltmeere als Luxusliner der Extraklasse. Arkona - sagen Sie, kennen Sie nicht? Doch, kennen Sie. Denn Anfang der 80-er Jahre, da servierte hier Sascha Hehn als braun gebrannter Chefsteward Viktor Schönheiten wie Anja Kruse und Barbara Wussow den Champagner. Ihre Tage als ZDF-"Traumschiff" - damals noch unter dem Namen "Astor" - hat die Arkona längst hinter sich gelassen, doch bis heute ist das schwimmende Vier-Sterne-Hotel eines der Aushängeschilder der Neu-Isenburger Seetours-Reederei.

Und jetzt das: Seit Freitag, nur wenige Wochen vor Start ihrer "Abschiedstournee" - im Februar 2002 wird das Luxusschiff an den Bremer Veranstalter Transocean Tours verkauft -, liegt die Arkona manövrierunfähig im Hafen von Mahon auf Menorca. Für 293 Passagiere, die am Mittwoch in Genua an Bord gegangen waren, endete damit eine Tour mit Ziel Karibik nach nur zwei Tagen. Nach einem Brand im Maschinenraum, der schnell gelöscht werden konnte, hatte das Schiff mit seinem Bug eine Kaimauer gerammt. Dabei wurde es so schwer beschädigt, dass eine Weiterfahrt unmöglich war. Alle Reisenden kamen mit dem Schrecken davon, sie wurden noch am Freitag nach Deutschland zurückgeflogen.

Seitdem laufen im Hafen von Mahon Untersuchungen, um das Ausmaß des entstandenen Schadens zu ermitteln. Noch ist auch völlig unklar, wie es zu dem Brand kommen konnte. Fest steht nur, dass die Arkona repariert werden soll: "Wir müssen nur noch klären, wo das Schiff repariert werden kann", teilt Heidi Tessner von der Seetours-Reederei mit. Zwar werden die beiden nächsten Fahrten des Luxusliners ausfallen müssen, doch schon am 21. Dezember soll die Arkona wieder in See stechen - auf eine zweiwöchige Neujahrsreise an den Amazonas, die Teil ihrer "Abschiedstournee" ist.

Damit scheint ein vorzeitiges Ende der Arkona-Legende abgewendet zu sein. Kenner der Branche hatten spekuliert, dass die Seetours-Reederei den Luxusliner, der auf Grund seines Alters nicht mehr in das Programm des Unternehmens passt, überhaupt nicht mehr flott machen werde. Mutmaßungen, denen Tessner entschieden entgegentritt: "Das ist nicht das Ende der Arkona."

Die Arkona, die 1981 unter dem Namen "Astor" in Hamburg gebaut wurde, war schon einmal während ihrer "Traumschiff"-Zeit wegen finanzieller Probleme in die Schlagzeilen geraten. Der damalige Eigentümer, die Hadag-Reederei, verkaufte es daraufhin nach Südafrika. Über Umwege gelangte die Arkona 1985 wieder zurück nach Deutschland: Das DDR-Unternehmen "Schiffscommerz" kaufte es und nutzte den Luxusliner bis zur Wende 1989 als Urlauberschiff der DDR.

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