Welt : Das Jahr, in dem die Erde Feuer fing

HOLGER WUCHOLD

Noch nie gab es so viele Waldbrände wie 1997 / Der World Wide Fund for Nature fordert eine "globale Feuerwehr"VON HOLGER WUCHOLD LONDON.Noch nie sind so viele Wälder durch Brände zerstört worden wie in diesem Jahr.Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat deshalb einen globalen Katastrophenalarm ausgerufen.Für die internationale Umweltschutzorganisation ist 1997 "das Jahr, in dem die Erde Feuer fing".Über fünf Millionen Hektar Wald wurden in den vergangenen zwölf Monaten zerstört, so lautet die erschreckende Bilanz, die der WWF aus den verheerenden Waldbränden zog.Besonders schlimm haben sich die Brände auf Indonesien ausgewirkt.Feuerwalzen zerstörten einzigartige Primärwälder.Mindestens 19 Naturschutzgebiete wurden vernichtet. Rund 80 Prozent aller Brände wurden absichtlich gelegt.Die Gründe sind vielfältig: Gewinnung von Ackerland, Spekulation mit Holz, Versicherungsbetrug oder einfach Wandalismus.Auch versehentlich entfachte Waldbrände, die bei der Landrodung oder Holzkohlegewinnung außer Kontrolle gerieten, waren häufig die Ursache.Die katastrophalen Folgen der Flächenbrände wurden in Indonesien besonders deutlich.40 000 Menschen wurden durch Rauchvergiftungen geschädigt.Wegen des Smogs kamen es zu Flugzeugabstürzen. Trotz internationaler Appelle gingen auch in Brasilien die großflächigen Brandrodungen unvermindert weiter.Sie stiegen sogar 1997 um mehr als 50 Prozent an.Nach Ansicht des WWF hat aber die Regierung in Brasilia auf die Entwicklung "konsequent" reagiert, indem sie zehn Prozent der Wälder des Landes bis zur Jahrtausendwende unter besonderen Schutz stellen wird.Waldbrände sind aber nach dem Urteil von WWF-Berichterstatter Jean-Paul Jeanrenaud ein globales Problem.Denn nicht nur in der Dritten Welt, auch im europäischen Mittelmeerraum haben die Brände im letzten Jahr zugenommen.Angesichts der weitreichenden Folgen für Mensch und Natur hat der WWF zahleiche Forderungen zur Verhinderung von Bränden an die Staatengemeinschaft ausgesprochen.So soll unter anderem eine internationale Behörde die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen beaufsichtigen.Auch schlägt der WWF internationale "Grünhelm-Aktionen" vor, um bei Brandkatastrophen als globale Feuerwehr einzugreifen.

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