Welt : Das "Jumbo"-Zeitalter begann mit einer Pleite

RAINER W.DURING

SEATTLE .Mit einer Gesamtfläche von mehr als zwölf Millionen Quadratmetern ist die gigantische Fabrik in Everett nördlich von Seattle im US-Bundesstaat Washington eines der größten Gebäude der Welt.Durchschnittlich alle 18 Tage verläßt ein neues Exemplar des größten Verkehrsflugzeuges der Welt die Fertigungshalle.1190 waren es bisher und ein Ende ist nicht abzusehen.Heute vor 30 Jahren startete der "Jumbo-Jet" Boeing 747 zu seinem Jungfernflug.Er dauerte 76 Minuten.

Hätte der amerikanische Luftfahrtkonzern Boeing 1965 nicht die Ausschreibung der US-Air-Force für einen Schwerlasttransporter mit dem Arbeitstitel "CX-4" verloren, wäre der "Jumbo" vielleicht nie oder zumindest viel später gebaut worden.So aber erhielt der Konkurrent Lockheed den Zuschlag für den Militärfrachter "Galaxy", und die frustrierten Flugzeugkonstrukteure in Seattle machten sich an die Entwicklung eines zivilen Großraumjets.Die erste Bestellung kam am 13.April 1966 von der Pan American, die damals noch zu den renommiertesten Airlines der Welt zählte und gleich 25 Exemplare des damals futuristischen Fliegers in Auftrag gab.Immerhin: Mit 357 Sitzen sollte die 747 mehr als doppelt so viele Passagiere aufnehmen können als die bis dahin im Transatlantikverkehr eingesetzte Boeing 707.

Im Januar 1970 konnte die Pan Am mit dem neuen Modell den Liniendienst auf der Nordatlantikroute zwischen den USA und Europa aufnehmen.Zwei Monate später begann auch für die Deutsche Lufthansa, die den Typ als erste europäische Fluggesellschaft in Dienst stellte, das Jumbozeitalter.

Everett heute: Von der Asien-Krise, die insbesondere beim "Jumbo"-Absatz für deutliche Einbrüche sorgte, ist in der größten Fabrikhalle der Welt noch nichts zu spüren.Mit der Boeing 747-400, die bis zu 568 Passagiere befördert, wird hier bereits die vierte Generation des legendären Großraumjets gefertigt.Während eine weitere Maschine für die Lufthansa ihrer Vollendung entgegengeht, erhält ein paar hundert Meter davor gerade ein anderer Flieger seine Tragflächen.Auf der anderen Seite des riesigen Gebäudes werden bereits neue Cockpits und Rumpfelemente zusammengenietet."Wir bauen heute den besten Jumbo, den es je gab", freut sich Marketingdirektor Robert E.Sancewich.Lag die Einsatz-Zuverlässigkeit einer 1990 ausgelieferten Boeing 747 bereits bei beachtlichen 98 Prozent, wird bei den Maschinen der laufenden Produktion ein Rekordwert von 99,25 Prozent erreicht.Jumbo-Jets haben bis heute etwa 2,2 Milliarden Passagiere befördert und auf 32 Milliarden Flugkilometern umgerechnet knapp 800 000 Mal die Erde in Höhe des Äquators umrundet.

Längst laufen gleich nebenan zweistrahlige Großraumjets der Typenreihen 767 und 777 vom Band, übertrifft das jüngste Boeing-Modell, die 777-300, den 70 Meter langen "Jumbo" sogar um drei Meter, während die Spannweite mit 64,9 Metern ungeschlagen bleibt.Die kleineren Langstreckenmaschinen haben auf vielen Routen der 747 den Rang abgelaufen.So wurden die Pläne für eine noch größere Variante auch vorerst auf Eis gelegt.

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