Welt : Das Leben kehrt zurück

Erfurter Gymnasium nimmt Unterricht auf

Uwe Soukup[Erfurt]

Als ein Schülerchor das Lied „We are the world“ vortrug, zunächst mit leisen, fast zitternden Stimmen beginnend, um dann immer sicherer zu werden, symbolisierte das den dringlichsten Wunsch der Schule vielleicht am besten: endlich wieder Boden unter die Füße zu bekommen. In das Erfurter Gutenberg-Gymnasium ist das Leben zurückgekehrt. Am Montag wurde mit einer Feierstunde in der neuerbauten Turnhalle die gesamte Schule offiziell an die Schüler und Lehrer übergeben.

Seit dem Amoklauf eines damals 19- jährigen Schülers am 26. April 2002, der 16 Menschen tötete und danach sich selbst richtete, war die Schule in einem Ausweichquartier am anderen Ende der Stadt untergebracht. Da der umfangreiche Umbau aus Bundesmitteln finanziert wurde, hatte die Schule auch Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeladen. Der Termin war bereits festgelegt worden, bevor sich abzeichnete, dass er in die heiße Wahlkampfphase fiele. Doch der Wahlkampf blieb außen vor. Schröder und der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus, Mitglied im Wahlkampfteam von Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel, saßen einträchtig nebeneinander in der ersten Reihe.

In seinem Redebeitrag hob Schröder hervor, dass Schule nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung sein dürfe, sondern auch des sozialen Lernens. Zugleich warnte er vor der Überforderung, die es bedeute, wenn Eltern die Erziehung an staatliche Institutionen delegierten. Über die Ursachen der das ganze Land erschütternden Tat vom 26. April 2002 sei wieder und wieder diskutiert worden, nicht immer sachgerecht. Einige Antworten seien gegeben worden. „Aber wir verstehen es immer noch nicht. Es wird unfassbar bleiben.“

Der Thüringer Ministerpräsident Althaus hob hervor, dass es in Schulen keine Sackgassen geben dürfe, weshalb man nach den Morden im Gutenberg-Gymnasium das Schulgesetz geändert habe. Oberbürgermeister Manfred Ruge bedankte sich bei der Direktorin des Gutenberg-Gymnasiums, Christiane Alt, für ihr Stehvermögen. Er sei erstaunt, dass sie durchgehalten habe. Alt betonte, sie habe immer an das Weiterleben des Gutenberg-Gymnasiums geglaubt. Nach dem Amoklauf war erwogen worden, das Gutenberg-Gymnasium aufzulösen.

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