• Das letzte Geschenk von Anne Frank: Eine Blechdose voll mit Murmeln für die Freundin

Das letzte Geschenk von Anne Frank : Eine Blechdose voll mit Murmeln für die Freundin

Anne Frank schenkte 1942, kurz bevor sie sich vor den Nazis versteckten musste, einer Freundin eine Blechdose mit 161 Murmeln. Die wird von diesem Dienstag an in Rotterdam präsentiert - in der Ausstellung "Der Zweite Weltkrieg in 100 Objekten".

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Anne Frank spielt mit einer Freundin.
Anne Frank spielt mit einer Freundin.Foto: Anne Frank House Amsterdam/Anne Frank Fonds Basel, Diederik Schiebergen

Es ist nur eine schlichte Metallschachtel mit vielen Murmeln. Aber sie hat eine besondere Geschichte; bis zum Juli 1942 gehörte sie Anne Frank. Als sie in das Hinterhaus in Amsterdam ziehen musste, in dem sich ihre Familie vor den deutschen Besatzern versteckte, überließ sie ihrer Freundin Toosje Kupers die 161 Murmeln, ein kleines Teeservice und ein Sagenbuch. Es sind die einzigen Spielsachen von Anne Frank, die noch erhalten sind. Jetzt werden die Murmeln zum ersten Mal in Rotterdam öffentlich gezeigt.

Viele jüdische Kinder verschenkten damals ihre Spielsachen

Viele Kinder, die sich damals verstecken mussten, ins Exil gingen oder deportiert wurden, machten es so wie Anne Frank und verschenkten vorher ihre Spielsachen. Auch die Katze musste sie bei Nachbarn zurücklassen. „Moortje ist mein weicher und schwacher Punkt. Ich vermisse sie jede Minute, und niemand weiß, wie oft ich an sie denke“, schrieb sie vier Tage nach dem Einzug ins Versteck. Das war einen Monat nach ihrem 13. Geburtstag, an dem sie ihr heute weltberühmtes rot-weiß kariertes Tagebuch geschenkt bekommen hatte.

Es gibt nur einen Filmschnipsel von Anne Frank. Sie ist darauf am Fenster zu sehen, wie sie einem Hochzeitspaar zuschaut. Ein Stockwerk höher sind rechts drei Mädchen zu sehen, eines davon ist Toosje Kupers. Sehen Sie den kurzen Film hier:

Das Schicksal von Anne Frank ist bekannt: Nach knapp zwei Jahren flog das Versteck auf, die Familie war verraten worden und wurde deportiert. Wenige Wochen vor Kriegsende starb sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Vater Otto Frank hat ihr Tagebuch nach dem Krieg veröffentlicht. Anne Frank, die in dem Tagebuch auch ihre schriftstellerischen Ambitionen beschreibt, wurde so posthum zu einer der meistgelesenen Autorinnen der Geschichte. „Mit Schreiben werde ich alles los“, notierte sie im April 1944. „Mein Kummer verschwindet, mein Mut lebt wieder auf. Aber, und das ist die große Frage, werde ich jemals etwas Großes schreiben können, werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden? Ich hoffe es, ich hoffe es so sehr!“

Willem Alexander eröffnet die Ausstellung „Der Zweite Weltkrieg in 100 Objekten“

Toosje Kupers hielt die Murmeln all die Jahre in Ehren. Als sie 2009 als Freundin von Anne Frank interviewt wurde, erzählte sie auch von den zurückgelassenen Spielsachen. Drei Jahre später schenkte sie die Erinnerungsstücke der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam, die das Hinterhaus als Museum unterhält. Bis zum 5. Mai – dem Jahrestag der Befreiung der Niederlande – werden sie nun in der Kunsthalle Rotterdam erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Die Murmeln sind eines von 100 Exponaten, „Der Zweite Weltkrieg in 100 Objekten“ heißt die Ausstellung, die König Willem Alexander an diesem Dienstag feierlich eröffnet.

Zu den anderen Exponaten gehört eine Brille, mit der sich die Widerstandskämpferin Hannie Schaft („das Mädchen mit dem roten Haar“) verkleidete, ein Pullover aus Hundehaar, der im Hungerwinter von 1942 gestrickt wurde, und eine Fallschirmspringerpuppe, mit der die Briten die Deutschen täuschen wollten. Fünf der 100 Objekte gehen auf einen Aufruf zurück, mit dem die Bevölkerung gebeten wurde, ihre Erinnerungsstücke für die Ausstellung beizusteuern.

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