Welt : Das mach ich doch mit links

Eine gar nicht so kleine Minderheit feiert den Weltlinkshändertag

Nina C. Zimmermann

Berlin - Bill Clinton und Fidel Castro gehören dazu, Robert Redford und Julia Roberts ebenso wie Goethe, Nietzsche, Käthe Kollwitz, Paul Klee und Sting. Diese berühmten und erfolgreichen Menschen haben eines gemeinsam: Sie alle sind Linkshänder. Was ein englischer Kinderpsychologe 1937 über diese Spezies Mensch schrieb, lässt sich daher am ehesten als Unkenntnis eines Rechtshänders verbuchen. Linkshänder „schielen, sie stottern, sie schlurfen und taumeln, sie watscheln wie Robben auf dem Land“, behauptete er und hielt sie für „Tölpel und Pfuscher auf der ganzen Linie“.

Dass Linkshänder bei manchen Stämmen Ghanas unmöglich König werden können oder dass sie laut einer wissenschaftlichen Studie angeblich seltener als Rechtshänder ihre Zunge längs nach oben rollen können, mag man als kuriose Erkenntnisse abtun. Das Leben hier zu Lande beeinträchtigen sie wenig. Doch so sehr sich die Linkshänder in unserer auf Rechts gepolten Welt auch anpassen, ganz so einfach haben sie es noch immer nicht – und dass, obwohl sich der Weltlinkshändertag an diesem Freitag zum 29. Mal jährt. Wer schon einmal versucht hat, mit einer normalen, also für Rechtshänder gemachten Schere in der linken Hand exakt auf einer Linie zu schneiden, weiß, was gemeint ist: Die Schnittkante ist nicht mehr richtig zu sehen – weil das obere Scherenblatt sie verdeckt.

Dass in unserer Sprache viele „linke“ Begriffe negativ behaftet sind – wie etwa „linkisch“, jemanden „linken“ oder ihn „links liegen“ lassen –, darüber sehen Linkshänder großzügig hinweg. Vorbei sind zum Glück auch die Zeiten, in denen manche von ihnen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, weil die Menschen im Mittelalter Linkshändigkeit für ein Zeichen des Teufels hielt. Allerdings: In deutschen Schulen war das Schreiben mit links bis in die späten 70er Jahre verpönt. Die rechte war die „schöne“ Hand.

Genau wissen Forscher zwar nicht, warum jemand mit einer bestimmten Hand schreibt; das Thema „Händigkeit“ ist wissenschaftlich bislang eher vernachlässigt worden. Zumindest aber ist klar, dass die Dominanz einer Hand angeboren und die rechte Gehirnhälfte bei Linkshändern besonders stark ausgeprägt ist.

Die Münchner Psychotherapeutin Johanna Barbara Sattler befasst sich seit rund 20 Jahren mit dem Thema. Sie arbeitet vor allem mit Pseudorechtshändern – also Menschen, denen es als Kind verboten war, mit links zu schreiben. Für Sattler ist das – wie die Nachrichtenagentur ddp berichtet – „einer der massivsten Eingriffe in das Gehirn ohne Blutvergießen“. Eine erzwungene Umorientierung könne Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Sprachprobleme oder feinmotorische Störungen verursachen. Sie stellt jedoch fest, dass viele Kinder sich „freiwillig“ umstellen, weil sie sich am Modellverhalten ihrer vorwiegend rechtshändigen Umgebung orientieren. Nach Sattlers Erfahrungen könnte bei der Hälfte der Bevölkerung die linke Seite dominant sein. „Viele wissen es nur nicht.“

Ältere Studien gehen von zehn Prozent aus, aktuelle Schätzungen halten 20 bis 35 Prozent für realistisch. Daraus lassen sich durchaus Vorteile ziehen. Kämpft der Linkshänder im Alltag auch mit etlichen Tücken, ist er in einigen Sportarten doch sehr gefragt, weil beinahe unschlagbar. Seinem rechtshändigen Box-, Tischtennis- oder Baseballgegner fällt es offensichtlich schwerer als umgekehrt, seine Taktik zu erahnen. In der internationalen Elite der Fechter, der Badminton- und Tennisspieler sind bis zu 50 Prozent Linkshänder vertreten.

Aber auch der weniger ambitionierte Linkshänder darf einmal im Jahr im Mittelpunkt stehen. In München wird daher an diesem Freitag zum vierten Mal Spielzeug für linkshändige Kinder prämiert, im niedersächsischen Lindhorst feiert die gar nicht so kleine Minderheit ein großes Linkshänder-Fest und in Berlin gibt es das erste Linkshänder-Bowlingturnier – alles mit dem Ziel, ein für allemal klarzustellen: Tölpel und Pfuscher sind Linkshänder wahrlich nicht. Ihnen gelingt bekanntlich alles mit links.

Weitere Informationen im Internet:

www.linkshaender-beratung.de

www.linshaenderseite.de

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