Welt : Das Märchen vom Winter

72 Prozent glauben, dass es noch Schnee geben wird – jetzt gibt es 15 Grad plus

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Berlin - Die meisten Bundesbürger hoffen nach einer Umfrage noch immer auf einen richtigen Winter. Doch Schnee und Eis sind laut Deutschem Wetterdienst selbst in den Mittelgebirgen kaum zu erwarten. Bei Werten bis 15 Grad soll es vielmehr frühlingshaft mild und zuweilen auch sehr stürmisch werden. Das ist aber nichts gegen New York. Vom Central Park werden 22 Grad gemeldet.

Trotz des zu warmen Wetters sind 72 Prozent der Bundesbürger überzeugt, dass der richtige Winter mit Schnee und Eis doch noch kommt, wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf eine Forsa-Umfrage schrieb.

Wenn der Winter so mild bleibt, droht nach Angaben des Lübecker Medizinprofessors Werner Solbach eine Zeckenplage im Frühjahr, wie die „Lübecker Nachrichten“ berichteten. Zugleich verlängere sich der Zeitraum, in dem Menschen von Zeckenbissen gequält werden können. Sorgen bereiten dem Mediziner zudem Bakterien namens Vibrio vulnificus, die sich im derzeit zu warmen Ostseewasser vermehren. Doch die milden Temperaturen haben womöglich auch positive Folgen: Nach Ansicht des Ökologie-Professors Berndt Heydemann, Leiter des Öko-Forschungszentrums „Zukunftszentrum Mensch-Natur-Technik-Wissenschaft“ im mecklenburgischen Nieklitz, droht keine Mückenplage. Denn Eier und Larven der Insekten würden in den warmen Seen und Tümpeln von Feinden gefressen. Nach Einschätzung des Direktors des Münchner Tropeninstituts, Thomas Löscher, könnten sogar Infektionen wie die Malaria in Deutschland heimisch werden. Bisher wurden Anopheles-Mücken, die die Krankheit übertragen, in Bayern und Nordrhein-Westfalen gefunden.

Der Grünen-Politiker Winfried Hermann und der Klimaforscher Mojib Latif sprachen sich für eine Abschaffung von Wintersportveranstaltungen auf Kunstschnee aus, um die Produktion von Treibhausgasen nicht weiter anzukurbeln. In dieser Saison habe die Präparierung der Loipen verrückte Ausmaße angenommen, sagte Hermann laut „Spiegel“. So hätten Skirennen im grünen Düsseldorf, in Gelsenkirchen und München stattgefunden. Um den Biathlon-Weltcup in Oberhof zu retten, seien Lkws mit Kunsteis 72-mal zwischen Bremerhaven und Thüringen hin und her gefahren.

In den österreichischen und Schweizer Alpen sind seit Freitag bei Lawinenabgängen zwei Menschen getötet worden. Angesichts der ungewöhnlich milden Witterung herrscht große Lawinengefahr. Vier deutsche Snowboarder und Skifahrer überlebten am Wochenende in Österreich Lawinenabgänge und von ihnen selbst losgetretene Schneebretter nur mit viel Glück. In der Schweiz wurde ein 45 Jahre alter Skitourenfahrer im Engadin auf über 2000 Meter Höhe von einem 30 Meter breiten Schneebrett erfasst und verschüttet. Der Mann war durch die Schneemassen bis in einen Bach geschoben worden und dort ertrunken. dpa

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