Welt : "Das Potenzial an Gewalt und Brutalität ist gewaltig"

In einem der bisher größten Polizei-Einsätze gegen kriminelle Motorradclubs in Deutschland haben am Donnerstag mehr als 900 Polizisten Wohnungen sowie Vereins- und Gewerberäume der Hells Angels in ganz Nordrhein-Westfalen durchsucht. Neun Mitglieder der Rockergruppe seien verhaftet, zehn weitere festgenommen worden, berichtete Einsatzleiter Rolf Baudiß in Düsseldorf. Die Fahndung nach einem weiteren mit Haftbefehl gesuchten Bandenmitglied dauerte zunächst noch an. Allein in Essen stellte die Polizei bei ihren Durchsuchungen zwei Kleinlaster-Ladungen Waffen, Munition und Sprengstoff sicher.

Der Schlag galt nach Angaben der Polizei ausschließlich der Düsseldorfer "Filiale" der Hells Angels. Die Staatsanwaltschaft wirft den Rockern Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und deren Gründung vor. "Sie stehen im Verdacht, Raubüberfälle und Erpressungen begangen zu haben, sowie mit Rauschgift und Waffen zu handeln", hieß es in Düsseldorf.

Um 6 Uhr morgens hatten starke Einsatzkräfte der Polizei, darunter zahlreiche Spezialeinheiten (SEK), gleichzeitig insgesamt 46 Objekte in Düsseldorf, Duisburg, Essen, Köln und mehreren weiteren Städten durchsucht. Zentrum der Aktion war das Vereinsgelände der Hells Angels im Düsseldorfer Norden. Auf dem über 4000 Quadratmeter großen Gelände vermutet die Polizei noch versteckte Waffen- und Rauschgiftlager.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei sollen die Hells Angels in den letzten Monaten mit Gewalt versucht haben, Einfluss im Düsseldorfer Rotlicht-Milieu zu gewinnen. Die Motorradgang habe eine eigene Sicherheitsfirma gegründet und Gastwirten die Einstellung von Türstehern aufgezwungen. Außerdem hätten sie einen Motorradhändler auf ihr Clubgelände entführt und in einem eigens schalldicht ausgebauten Raum so lange bedroht, bis er ihnen Motorradzubehör mit einem sechsstelligen Wert ausgehändigt habe. "Das Potenzial an Gewalt und Brutalität ist gewaltig", sagte Baudiß.

Insgesamt hat die Düsseldorfer Sektion der Hells Angels nach Angaben der Polizei nur 20 Mitglieder. Der Einsatz mehrerer hundert Polizisten sei jedoch notwendig gewesen, weil nach sicheren Erkenntnissen alle Vollmitglieder der Bande bewaffnet seien und keinerlei Skrupel hätten. Das Vereinsheim in Düsseldorf sei streng bewacht gewesen. Mitglieder der Bande hätten dort mit Hunden patrouilliert. Bei der Festnahme des 42-jährigen Präsidenten der Hells Angels musste dessen Hund erschossen werden.

Die Ermittlungen gegen die Bande hatten mehr als ein Jahr gedauert. Der jetzt erfolgte Zugriff belege, "dass wir solche kriminellen Vereinigungen nicht dulden", sagte Baudiß.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten im Alter von 30 bis 42 Jahren die Bildung und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Raub, Erpressung, Drogen- und Waffenhandel vor.

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