Welt : Das sichere Ende aller Schwarzfahrerei

THOMAS ROSER

Im belgischen Hasselt ist die Benutzung der Busse ab Juli gratis/ Keine hohen Zusatzkosten für die StadtVON THOMAS ROSER HASSELT.Ein belgisches Provinzstädtchen probt die Transportrevolution.Die Bewohner von Hasselt, der Hauptstadt der flämischen Provinz Limburg, können ab Juli umsonst die Stadt- und Regionalbusse nutzen."In Brüssel werden sie wahrscheinlich wieder einmal denken, daß ich verrückt geworden bin", sagt der sozialdemokratische Bürgermeister Steve Stevaerd."Doch das ist verkehrt: Ich bin überzeugt davon, daß der kostenlose öffentliche Nahverkehr die einzige Art und Weise ist, die Stadt für die Bevölkerung und den Mittelstand lebenswert und attraktiv zu machen." "Schwarzfahren mit dem Bus ist in Hasselt nicht mehr möglich", titelt aufgeregt die Tageszeitung "De Morgen".Denn innerhalb der Stadtgrenzen soll die Fahrt mit dem Bus für alle Fahrgäste gratis sein.Die Fahrt mit den Regionalbussen in die Vororte und eingemeindeten Ortschaften dagegen ist nur für die Bürger von Hasselt gratis, andere Reisende müssen den normalen Tarif entrichten.Das flämische Busunternehmen De Lijn hofft, daß die Anzahl der Fahrgäste im Stadtnetz von Hasselt von derzeit 1000 auf das Vier- bis Fünffache steigen wird.Um auch verstockten Autofahrern den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr schmackhaft zu machen, sollen im Stadtgebiet dreimal so viele Busse fahren wie bisher: De Lijn hat die Busflotte vor Beginn des neuen Transportzeitalters kräftig ausgeweitet. Auf die Idee der kostenlosen Beförderung per Bus war der umtriebige Bürgermeister durch den Erfolg des Boulevardbusses gekommen, den die Kommune wegen Bauarbeiten von März an im Zentrum der 67 000-Einwohner-Stadt gratis kutschieren ließ.Dieser fand bei Bürgern und Besuchern so großen Anklang, daß Bürgermeister Steve Stevaerd bald ins Grübeln kam: Sollte es nicht möglich sein, Fahrgäste das gesamte Busnetz unentgeltlich nutzen zu lassen? Die Kosten eines derartigen Projekts entpuppten sich bei einer ersten Kalkulation weitaus geringer als angenommen.Bisher deckt der Ticket-Verkauf lediglich zwölf Prozent der tatsächlichen Kosten des Busbetriebs.Hasselt sieht sich dank einer erfolgreichen Sanierung der Kommunalfinanzen durchaus in der Lage, diesen Betrag auch noch zu übernehmen.Bis zum Jahresende würde der Stadt durch das Projekt zusätzliche Kosten von 38 Millionen Belgischen Francs (1,9 Millionen Mark) entstehen, rechnet Stevaerd vor: "Das ist weniger als ein Prozent unseres Haushalts.Mit diesem Betrag kann man nicht einmal eine Straße ausbessern." Um Autobesitzern die Fahrt in die Innenstadt zu verleiden, sollen neben dem Busprojekt auch Fahrspuren verkleinert und die Anzahl von Parkplätzen verringert werden.Den Plan eines dritten Straßenrings um die Innenstadt von Hasselt hat Stevaerd in der Schublade versenkt: "Der wird nicht kommen: Zwei Ringe müssen genug sein für König Auto." Mit Enthusiasmus oder großer Verwunderung hätten andere Städte Flanderns auf das Projekt reagiert, berichtete am Donnerstag ein Sprecher der Stadtverwaltung gegenüber dem "Tagesspiegel": "Leuven will unserem Beispiel folgen, andere Städte wie Antwerpen und Gent wollen sich mit unserem Modell zumindest einmal näher beschäftigen." Die Kommune erwarte, Zuschüsse der flämischen Regionalregierung und der EU zu erhalten.Von dem Projekt erhofft sich Hasselt einen erheblichen Image-Gewinn: "Wir wollen mit dem kostenlosen Bustransport zeigen, daß es durchaus attraktiv ist, in der Stadt zu wohnen."

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