Welt : Das sind ja schöne Aussichten

Wer mit dem Auto ins Ausland fährt, muss bei Verkehrsverstößen oft sehr viel höhere Bußgelder zahlen

Jakob Schlandt

Über zehn Millionen Deutsche fahren diesen Sommer mit dem eigenen Auto in den Auslandsurlaub – das kann günstig sein und praktisch, doch es droht Ungemach: Verkehrsverstöße im Ausland sind häufig so teuer, dass die Urlaubskasse empfindlich getroffen wird.

Der Bußgeldkatalog, der schon in Deutschland vielen zu streng erscheint, ist in vielen Ländern Europas noch wesentlich rigider. Ein paar Beispiele: Alkohol am Steuer in Irland: mindestens 1270 Euro. Falschparken in Dänemark (auch der kurze Halt im einfachen Parkverbot): ab 70 Euro. Rotlichtverstoß in Norwegen: 470 Euro.

Auf sein Glück sollte man sich besonders in Frankreich nicht verlassen: Dort sollen bis zum Beginn der Hauptreisezeit fast 1000 neue Radarfallen installiert sein. Wer eine längere Strecke durch das Land fährt, kann sicher sein, irgendwo geblitzt zu werden. Dazu kommen systematische Alkoholkontrollen und drastisch erhöhte Bußgelder. Ein Beispiel: Wer in Frankreich die Tempolimits nicht kennt und mit 180 km/h über die Autobahn fährt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 1500 Euro rechnen. Da das Tempolimit 130 km/h beträgt, führe er 50 Kilometer zu schnell. Eine weitere Regelung sollte der Fahrer kennen: Bei Nässe reduziert sich das Tempolimit um 20 km/h.

Wer in Frankreich zum Abendessen Rotwein trinkt, sollte sich das gut überlegen. Es gibt flächendeckende Alkoholkontrollen. Das höchste Bußgeld beträgt bei Alkoholvergehen 4500 Euro, doch kann es zusätzlich strafrechtliche Konsequenzen geben. Wer mehr als 0,8 Promille im Blut hat, muss damit rechnen, vor Gericht gestellt zu werden.

Vorsicht in der Schweiz: Wer von der Polizei bei einem Tempodelikt erwischt wird, muss unter Umständen auf der Stelle mehrere Hundert Franken zahlen. Die Gangart der Polizei soll noch verschärft werden, nachdem es zu mehreren tödlichen Raserunfällen durch junge Ausländer vom Balkan kam.

Prinzipiell gilt: In fast allen westeuropäischen Ländern sind Verkehrssünden teurer als bei uns, lediglich in Osteuropa kommt man oft günstig davon.

Die meisten Autofahrer wissen: Nur mit Österreich gibt es ein Abkommen, das die Zustellung von Bußgeldbescheiden auch nach Deutschland sicherstellt. Wer im Ausland geblitzt und nicht sofort zur Kasse gebeten wird, spart sich das Geld oft. Maximilian Maurer vom ADAC hält das aber für eine riskante Strategie. „Erstens gibt es besonders in der Urlaubszeit verstärkt Radarfallen mit Sofortkasse. Denn die Polizei weiß ja, dass sie sonst bei den Urlaubern nicht kassieren kann. Deswegen wird auch rigoros versucht, Geld sofort einzutreiben. Wer nicht zahlen kann, muss oft sein Auto abgeben. Da wird man sicher nicht am Straßenrand im Regen stehen gelassen. Aber bis einige Hundert Euro aufgetrieben sind, kann man schon mal einige Nächte im Hotel an der Autobahn verbringen. Davon hören wir regelmäßig", sagt Maurer. Hat der Fahrer Glück und ist erwischt, aber nicht angehalten worden, kann es auch später noch eine böse Überraschung geben. Es ist möglich, dass der Verstoß im Polizeicomputer gespeichert bleibt und die Rechnung doch noch beglichen werden muss, oft mit zusätzlichen Gebühren. „Das kann schon bei der nächsten Grenzkontrolle der Fall sein", sagt Maurer. Als frisch Ertappter solle man sich zudem so kooperativ wie möglich verhalten.

Ohne richtige Informationen sind Verkehrsverstöße aber auch mit vorsichtiger Fahrweise kaum zu vermeiden. Wer weiß beispielsweise schon, dass in Italien auch tagsüber außerhalb geschlossener Ortschaften das Licht eingeschaltet sein muss? Dass in Norwegen auf Autobahnen Tempo 80 gilt? Oder dass in Spanien, Portugal und Italien eine Warnweste Pflicht ist, wenn man bei einer Panne das Auto verlässt?

In Frankreich hat die neue Verkehrspolitik einen starken Rückgang der Verkehrstoten bewirkt: Waren im Jahr 2002 noch 7242 Verkehrstote zu beklagen, ging diese Zahl im Folgejahr auf 5732 zurück.

Informationen zu einzelnen Ländern:

www.adac.de/Recht_und_Rat/

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