Welt : Das süße Geheimnis der Marmelade

-

Colmar In Frankreich nennt man sie schlicht „La fée des confitures“, die Fee der Konfitüren. Seitdem Christine Ferber 1998 vom Nationalen Konditoren-Verband mit dem Titel „Chef-Pâtissier des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ist selbst ihr bis dahin weitgehend unbekannter Heimatort Niedermorschwihr bei Colmar über die Presse bekannt geworden. Denn die 44-Jährige gilt als die beste Marmeladenköchin Frankreichs.

Ihre Konfitüren sind spektakulär, wie es heißt. Ferber bereitet sie in kleinen, aber höchst feinen Portionen zu, passend zur jeweiligen Saison. „Ich versuche, den Früchten ihren natürlichen Anblick zu erhalten und sorge vor allem für die Echtheit des Geschmacks“, sagt Ferber. Die meisten Früchte stammen aus dem Elsass, und nur die frischesten und aromatischsten Früchte finden den Weg in die Kupferkessel. Die Wildfrüchte sammeln Freunde und Bekannte. Für ihre Verdienste um dieses Kulturgut aus der Natur wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Scheinbar nebenher leitet sie die elterliche Bäckerei und Konditorei mit rund 20 Mitarbeitern. Und nicht nur die Marmeladen sind eine längere Anfahrt wert. Der Fahrer eines Wagens mit Diplomatenkennzeichen deckt sich gleich mit einem Karton Quittengelee ein und bestellt einige Dutzend „Berawecka“, ein als Hutzelbrot auch rechts des Rheins zur Adventszeit sehr begehrtes Gewürzbrot. „Einige gute Freunde in meinem Wahlkreis rechnen fest damit, auch in diesem Jahr mit Christines Köstlichkeit beschert zu werden“, sagt der Europa-Abgeordnete.

Die Marktlücke hat Ferber bereits vor über 20 Jahren erkannt, als sie ins elterliche Schaufenster einen Topf mit selbst gemachter Konfitüre stellte. Ihre Mutter riet ihr damals ab, mit der Begründung, dass die Hausfrauen im Dorf ihre Marmelade selbst zubereiten würden. Doch das süße Geschäft wurde zu einem Selbstläufer. Ausgesuchte Früchte, strenge Disziplin und tüchtige Mitarbeiter garantieren den Erfolg. Höchstens vier Kilo Obst wandern auf einmal in den Topf, und das Zehnfache der momentanen Produktion wäre spielend abzusetzen.

Weit über 200 Rezepte hat die Konfitüren-Königin in ihrer Laufbahn bereits ausprobiert. Zurzeit kommen Quitten, Apfel und Birne in den Marmeladentopf. Bis November dauert die Saison, dann ist das Weihnachtsgebäck an der Reihe.dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben