das-tut-man-nicht.de : Falsche Freunde: Verbieten oder nicht?

Unser Kooperationspartner "das-tut-man-nicht.de" lässt Experten Stellung nehmen zu ethischen und moralischen Konflikten. Heute antwortet der Historiker Paul Nolte auf die Frage einer Leserin nach dem Kontakt zu Klassenkameraden aus sozial schwachen Familien.

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Paul Nolte.Foto: Thilo Rückeis

FRAGE:

Mein 12-jähriger Sohn hat sich mit einem Jungen aus seiner Klasse angefreundet, der aus einer sozial schwachen Familie stammt. Von meinem Sohn weiß ich, dass beide Eltern arbeitslos sind und den größten Teil des Tages vor dem Fernseher verbringen. Das Kind ist sich selbst überlassen. Darf ich meinem Sohn ausreden, seinen neuen Freund zu besuchen, da ich ihn von schlechten Vorbildern fernhalten möchte?


PAUL NOLTE ANTWORTET:

Um es offen zu gestehen: Ich würde mein zweijähriges Kind nicht in eine solche Familie zur regelmäßigen Tagesbetreuung geben. Aber hier liegen die Dinge anders. Ein 12-jähriger ist schon sehr gefestigt in seinen Werten und Verhaltensweisen; eine Chipstüte zuviel bringt ihn nicht auf eine kriminelle Karriere. Warum nicht danach fragen, ob der Freund auch zu Ihnen ins Haus kommt, zum Abendessen bleibt: Dann gewinnen Sie einen Eindruck von ihm, und der Freund lernt vielleicht etwas kennen, was ihm gefällt und was er wiederum nach Hause trägt.

Wenn wir dazu beitragen, solche sozialen Barrieren in die nächste Generation hinein zu verstärken, leben wir in 20 Jahren in einer Gesellschaft, deren getrennte Lebenswelten an heutige Schwellenländer erinnern.

Paul Nolte ist Professor für Geschichte an der Freien Universität Berlin. Seit Oktober 2009 ist er zudem Präsident der evangelischen Akademie in Berlin.



Quelle: http://www.das-tut-man-nicht.de/fragen-antworten/frage-des-tages/

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