• Das tut man nicht: Soll man sich aus der Firma mobben lassen - oder auf Durchzug schalten?

Das tut man nicht : Soll man sich aus der Firma mobben lassen - oder auf Durchzug schalten?

Muss man als älterer Arbeitnehmer freiwillig gehen, wenn in der Firma Jobs gestrichen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich heute bei www.das-tut-man-nicht.de der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel.

In meiner Firma wird in den nächsten Monaten Personal abgebaut, das weiß jeder hier. Ich bin 57, Familienvater und schon lange dabei. Ein paar meiner älteren Kollegen wurden angesprochen, ob wir uns vorstellen können zu gehen, damit die Jüngeren bleiben können. Ich will nicht aufhören zu arbeiten. Aber ich fühle mich unter Druck gesetzt. Tut man das – einfach auf Durchzug schalten und da bleiben, auch wenn man nicht mehr erwünscht ist?

Soll man sich aus der Firma mobben lassen - oder auf Durchzug schalten?

Professor Rudolf Hickel, Volkswirt an der Universität Bremen, antwortet:
Keine perfekte Antwort, sondern ein Versuch, eine Orientierung zu geben. Allein schon die Tatsache, dass Sie die Frage bewegt, ist ein Beleg für Ihre moralische Haltung. Mit dieser Grundeinstellung ist es konsequent, auch am Arbeitsplatz nicht „auf Durchzug“ zu stellen. Das halten Sie einerseits mit Ihrem Problembewusstsein erfreulicherweise nicht aus. Andererseits wird durch das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen Vertrauen und damit auch Motivation statt Zweitracht im Arbeitsumfeldhergestellt. Anstatt zu Schweigen, geht es darum, eine begründete Antwort zu finden und diese dann auch zu kommunizieren. Dazu gehören folgende Überlegungen:
1. Der hier beschriebene, leider oftmals reale Konflikt zwischen den Älteren, die den Jüngeren den Arbeitsplatz wegnehmen, ist oberflächlich. Es geht darum, das eigentliche Problem verantwortungsvoll zu entziffern.
2. Wenn von den Älteren der Rückzug aus der Arbeit zugunsten der Jüngeren gefordert wird, dann wird ja unterstellt, die Älteren seien auf Erwerbseinkommen nicht angewiesen, könnten sich als mit ausreichendem Vermögen auf das Sofa zurückziehen. Diese Annahme ist für die allermeisten schlichtweg Unfug.
3. Aus dem Verständnis einer humanen, sozialen Marktwirtschaft ist doch allen Generationen der Zugang zu einem Arbeitsplatz nicht nur zur Erzielung von Erwerbseinkommen zu gewährleisten. Wegen des Alters – ebenso wegen des Geschlechts und der Herkunft - darf prinzipiell niemand diskriminiert werden, weder die Jungen, noch die Alten.
4. Wichtig wäre es, deutlich zu machen, warum Ältere für den Betriebszusammenhang wichtig sind. Sie geben ihr kumuliertes Wissen auch an die Jüngeren weiter und zählen damit nicht zum „alten Eisen“.
5. Es klingt einfach, ist dennoch wichtig: Eigentlich müssten die ökonomischen-politischen Rahmenbedingungen so sein, dass es zu dem Konflikt nicht kommt. Diese Erkenntnis hilft jedoch angesichts der aktuellen Arbeitsplatzlücke nicht weiter.
6. Deshalb ist es schon sinnvoll, wenn Unternehmen nachweislich Arbeitsplätze abbauen müssen, über eine solidarische Lösung nachzudenken. Es geht dann darum, dass alle Generationen gleichermaßen an einem Solidarpakt beteiligt werden. Ein Modell bietet der beschäftigungssichernde Tarifvertrag. Auch über Arbeitszeitverkürzungen statt Entlassungen sollte nachgedacht werden. Den Beitrag zur Solidarität müssen dann alle leisten, ob jung oder alt.

Quelle: www.das-tut-man-nicht.de

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