Welt : Das Unglück in der Schweiz: Und wieder brennt ein Tunnel

Bei dem schwersten Tunnelunglück in der Geschichte der Schweiz sind am Mittwoch mindestens zehn Menschen getötet und sechs verletzt worden. Rund einen Kilometer vor dem Südportal des Gotthard-Tunnel im Tessin stießen am Morgen zwei Lastwagen frontal zusammen. Nach einer Explosion brach ein Feuer aus, das auf einer Länge von 300 Metern wütete und Teile der Dachkonstruktion zum Einsturz brachte. Die Hitze und Rauchentwicklung waren so gewaltig, dass die Feuerwehr und die Rettungskräfte erst nach rund vier Stunden zum Unfallort vordringen konnten.

Das Unglück wirft erneut die Frage nach der Sicherheit der Alpentunnel auf. Seit dem schweren Unglück im Montblanc-Tunnel ist das Sicherheitsgefühl von Autofahrern erheblich beeinträchtigt. Viele meiden seither Tunnel.

Der ADAC hat den Gotthard-Tunnel dagegen gestern für seine guten Fluchtmöglichkeiten gelobt (Lesen Sie dazu auch den untenstehenden Kasten). Dabei gilt die Ausweichmöglichkeit über den San-Bernardino-Tunnel als gefährlicher.

Einer der verunglückten Lastwagen im Gotthard hatte Reifen und Kunststoffplanen geladen. Dessen Fahrer konnte sich retten. Er berichtete, dass vermutlich bei einem entgegenkommenden Lastwagen ein Reifen geplatzt sei. Der schwere Laster sei ins Schlingern geraten und in sein Fahrzeug gerast. Nach Angaben der Behörden war auch eine unbekannte Zahl anderer Fahrzeuge in das Unglück verwickelt.

Sicherheitskräfte und Augenzeugen berichteten von dramatischen Flucht- und Rettungsversuchen. Ein Verletzter erzählte, plötzlich sei der ganze Tunnel voller Rauch gewesen. "Ich habe nichts mehr gesehen, selbst die Notlichter nicht." Da er gewusst habe, dass alle 50 Meter eine Nottür sei, habe er sich an der Wand entlang getastet.

Die festsitzenden Autofahrer wurden über das tunneleigene Radio informiert und zur Besonnenheit aufgerufen. Bus- und Laster-Fahrer versuchten, ihre schweren Fahrzeuge zurückzusetzen. Autofahrer wendeten in der zweispurigen Röhre, und wenn dies nicht gelang, flüchteten sie in den Rettungsstollen. Die Polizei war aber kurz nach dem Unglück schon sicher, das Tunnelsystem evakuiert zu haben.

Die Bevölkerung im nahe gelegenen Airolo im Tessin wurde aufgefordert, die Fenster zu schließen. Der Rauch könnte giftig sein. Verletzte mit Rauchvergiftungen wurden ins Krankenhaus von Airolo gebracht. Bei den Rettungsarbeiten waren rund 150 Rettungskräfte und vier Hubschrauber im Einsatz. Der Schweizer Verteidigungsminister Samuel Schmid bot die Hilfe von Armeeinheiten an der Unglücksstelle an.

Der Unfall hat zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Der Tunnel wurde vollständig gesperrt, so dass vor allem der Schwerverkehr über die San-Bernadino-Route geführt wurde. Auf der Südrampe bei Pian San Giacomo herrschte stockender Kolonnenverkehr Richtung Norden. Die Sperrung des Gotthard-Tunnels hatte schon früher wiederholt zu starkem Zusatzverkehr auf der östlichen Transitachse geführt. Der 6,6 Kilometer lange und 1967 fertiggestellte zweispurige San-Bernardino-Tunnel gilt als nicht besonders sicher. Er besitzt keinen Fluchtstollen.

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