Welt : Das Wetter: Kalt erwischt

Andreas Oswald

Es hat viele kalt erwischt. Wo man hinkommt, niesen die Leute. Schon jetzt darf man in den Büros keine Fenster mehr öffnen, weil sensible Kolleginnen und Kollegen sich beschweren und sich wegen der Heizölpreise schlechtes Gewissen breitmacht. Wer abends ausgeht, zieht sich an, als hätten wir bereits den tiefsten Winter.

Nur das Klagen, das den Sommer begleitete, fehlt. Sind die Menschen schon so desillusioniert, dass sie die frühe Kälte einfach hinnehmen? Gestern haben die Meteorologen in Berlin einen Kälterekord gemessen. Noch nie war die Tageshöchsttemperatur an einem 20. September so niedrig. 10, 3 Grad. Damit wurde der bisherige Rekord von 12,4 Grad in den Jahren 1952 und 1987 um mehr als zwei Grad unterboten.

Die Nachrichten über die Kälte treffen zusammen mit den Nachrichten über die steigenden Heizölpreise. Droht uns ein harter Winter? Für Schwarzmalerei gibt es bislang keinen Anlass. Gerade die Kälte ist Grund zur Hoffnung. "Erfahrungsgemäß folgt auf einen kalten Herbst ein milder Winter", sagt Thomas Globig von Meteofax/Meteomedia. Das ist ähnlich wie in diesem Sommer. Er hatte sich früh verausgabt und war anschließend relativ feucht und kühl. Das hatte Globig bereits im Frühjahr vorausgesagt und damit Recht behalten.

Vielleicht hat er auch mit dem Winter Recht. Es soll zunächst relativ kühl bleiben. "Aber es ist noch zu früh, eine genaue Prognose abzugeben", sagt Globig. "Warten wir den Oktober ab, wenn der auch kühl ist, dann könnte der Winter tatsächlich milde ausfallen."

Heute ist der kalendarische Herbstbeginn, Anlass für die Meteorologen, noch einmal Bilanz zu ziehen. Trotz des total verregneten Julis war der Sommer für die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes normaler Durchschnitt. Zwar waren an vielen Orten extreme Messwerte zu verzeichnen, im Durchschnitt habe sich aber alles wieder ausgeglichen, sagte der Meteorologe Michael Bauer vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

Von kalt bis brütend heiß war in der Hauptstadt Berlin alles dabei, sagt Thomas Globig. Der heißeste Tag des Sommers war der 21. Juni mit 38 Grad. "So viel Wärme hatten wir in Berlin in diesem Jahr kein zweites Mal." Am vergangenen Sonntag war es dagegen in Berlin mit 12,6 Grad so kalt wie noch nie seit 100 Jahren an einem 17. September.

Der September habe den kalendarischen Sommer gegenüber dem bereits seit drei Wochen abgeschlossenen meteorologischen Sommer nicht herausgerissen, sondern sogar die Sonnenbilanz noch etwas eingetrübt, berichtete der DWD-Experte Bauer. Gerade die ersten drei heißen Juni-Wochen fielen nämlich bei der kalendarischen Betrachtungsweise heraus, weil sie noch zum Frühjahr gezählt werden. Die auf den ersten Blick erstaunliche Wertung "warm und trocken" gilt daher nur für den meteorologischen, nicht aber für den am Donnerstag zu Ende gehenden Kalender-Sommer.

Eine kalte Dusche müssen derzeit vor allem die Süddeutschen ertragen, bevor sich laut Deutschem Wetterdienst zum Wochenende schönstes Altweibersommer-Wetter durchsetzt. Im übrigen Deutschland rechnen die Wetterforscher für Donnerstag mit Wolken und Schauerwetter.

Insbesondere in Schwaben erwarten die Meteorologen ab der Nacht zum Donnerstag heftige Regenfälle, die im Laufe des Tages nach Südostbayern weiterziehen. Eine Unwetterwarnung wurde herausgegeben. Ursache der Unwetter ist das Tief "Zayde", das sich von Südfrankreich über die Alpen in Richtung Osten aufgemacht hat.

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