Datenschutz : Modeketten nähen Elektrochips in ihre Produkte

Die Radiofrequenzidentifikation soll der Logistik und der Sicherheit dienen, erzürnt aber zugleich die Datenschützer.

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Die Datenschützer von Foebud protestieren vor einer Gerry-Weber-Filiale.
Die Datenschützer von Foebud protestieren vor einer Gerry-Weber-Filiale.Foto: promo

RFID ist überall. Fast. Der kleine Chip für die Radiofrequenzidentifikation (RFID), der per Funkwellen seine Nummer an entsprechende Lesegeräte schickt, findet sich zum Beispiel im Funkschlüssel des Autos, im Skipass, zuweilen auf der Eintrittskarte ins Fußballstadion, auf Fahrkarten, unter der Haut Ihres Hundes, auf Studierendenausweisen und auf unseren Personalausweisen und Pässen ohnehin. Alles immerhin irgendwie ablegbar. RFID in der Kleidung aber ist Datenschützern ein noch größeres Gräuel. Kleidung bleibt am Leib und Bewegungsprofile wären damit – wenn denn jemand sie wollen würde – ohne Weiteres anlegbar.

Die Modemarke Gerry Weber näht sie ins Pflegeetikett aller ihrer Textilien. Wie der Projektentwickler bei Gerry Weber, Christian von Gronen, in einem FAQ-Videospot auf der Firmen-Homepage selbst berichtet, sind alle „über 26 Millionen jährlich produzierten Kleidungsstücke seit Januar 2011“ mit dem unsichtbaren daueraktiven Funkgerät ausgestattet. Man lege großen Wert auf Datenschutz versichert der Firmenmann. Die RFID-Informationen würden gänzlich von personenbezogenen Daten getrennt, wie sie etwa an der Kasse durch das Zahlen mit Kreditkarte anfallen. Das RFID-Symbol sei außerdem im Eingangsbereich aller Läden wie auch am Etikett angebracht.

Die Datenschutz-Aktivisten des Vereins „foebud“ wiesen jetzt mit einer Aktion vor der Gerry-Weber-Filiale in Bielefeld dennoch „auf die unsichtbare Gefahr“ hin. Der auf eine Entfernung von acht Metern (deutlich weiter als bei den meisten anderen genannten Beispielen) auslesbare Chip, der eine weltweit einmalige Nummer aussendet, sei zwar zur Optimierung der Logistik gedacht, werde aber „zur Gefahr für Kundinnen und Kunden, wenn er in der Kleidung bleibt“. Wo immer ein entsprechendes Lesegerät angebracht sei, würden unbemerkbar die Daten ausgelesen und wiedererkannt.

Mittels eines mobilen Lesegerätes lasen die „foebud“-Leute die versteckten Chips in der Kleidung von Gerry-Weber-Kundinnen aus und projizierten die Inhalte auf eine überdimensionale Sprechblase. Die Blase zeigte dann zwar nur eine Nummer. Aber es gab, wie der WDR berichtet, eine Überraschung. Auch eine Passantin ohne Gerry-Weber-Kleidung sandte etwas in eine Sprechblase. Ihre Jacke der Marke Peuterey wurde von dem Gerät erfasst. Der Verbraucher sei über den Gebrauch der RFID-Technik informiert worden, „durch die Medien der verschiedenen nationalen und internationalen Fachpresse“, antwortet Peuterey auf eine Anfrage des WDR. „Auch im Internet wurden Pressemitteilungen und Videos verbreitet.“ In der Jacke der Passantin befand sich der Chip nicht in einem wie ein Fähnchen angenähten Etikett, sondern in einem rundum vernähten Stoffstück.

Die Verbraucherzentrale fordert, dass RFID-Chips, die für Produktion und Lagerung große Erleichterungen bringen, „am Verkaufsort“ physisch entfernt werden.

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