Welt : Defekte Weiche ließ Zug entgleisen

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London (dpa). Eine defekte Weichenanlage war nach Auskunft der britischen Bahngesellschaft Railtrack Ursache für das schwere Zugunglück in der Nähe von London, bei dem sieben Menschen starben und mehr als 70 verletzt wurden. „Das Ergebnis ist eindeutig“, sagte Railtrack-Chef John Armitt am Samstagabend in London. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich Schraubenmuttern an der Weiche gelöst hätten. Daher habe sich die Weichenanlage bewegt, als der Personenzug mit 151 Menschen an Bord sie am Freitagmittag bei Potters Bar nördlich von London passierte.

Nach Angaben der Behörden und Krankenhäuser kämpfen vier der insgesamt 15 schwer verletzten Personen noch ums Überleben. Zwei von ihnen seien im Teenageralter. Der britische Thronfolger Prinz Charles hatte am Samstag mehrere Opfer in zwei Krankenhäusern besucht. Auch Verkehrsminister Stephen Byers, der von der britischen Öffentlichkeit für die mangelnde Sicherheit auf den Bahnstrecken verantwortlich gemacht wird, begab sich an den Unfallort. Ein Team von 40 Experten durchkämmte am Samstag Gleisanlagen, Waggons und mit Trümmern übersäte Bahnsteige, auf denen auch Gepäckstücke lagen.

Nachdem der Verdacht auf die Weichenanlage gefallen war, wurden landesweit mehr als 100 ähnliche Installationen überprüft. Laut Armitt muss jetzt geklärt werden, warum sich die Muttern an der Unglücksweiche lösten.

Die Katastrophe – die sechste mit Todesfolge seit 1997 – ereignete sich auf derselben Strecke, auf der vor 18 Monaten ein Schnellzug in der Nähe von Hatfield entgleist war. Damals war ein Riss in den Gleisen Ursache des Unglücks, bei dem vier Menschen starben. Seitdem hat Railtrack mit Millioneninvestitionen die Gleiserneuerung vorangetrieben. Die Transportgewerkschaft TGWU warf der Labour-Regierung am Samstag vor, die Lehren aus den vorangangenen Unfällen nicht gezogen zu haben. TGWU-Chef Roger Crow machte auch Profitstreben für die häufigen Bahnunfälle verantwortlich und forderte zudem eine Wiederverstaatlichung der Eisenbahn.

Bei dem Unglück war der letzte von vier Waggons seitlich auf die Bahnsteige des Bahnhofs gestürzt. In und unter dem Waggon wurden vier Tote gefunden. Ein Opfer starb unter den Trümmern einer Brücke, die von dem Zug gerammt worden war. Später erlagen zwei Opfer ihren Verletzungen.

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