Welt : Delfine: Retter, Therapeuten und Jagdopfer des Menschen

Bernd Hops

Delfine sind die Lieblinge des Sommers. Zuerst rettete ein Meeressäuger namens Filippo am Montag den 14-jährigen Davide Cece vor dem Ertrinken. Und nun kommt noch ein romantischer Film des Exil-Iraners Fahrad Yawari über die Liebe eines Mädchens zu Delfinen in die Kinos. Ein altbekannter Star tritt so wieder ins Rampenlicht. Dabei ist es Liebe auf Gegenseitigkeit, denn Delfine suchen die Nähe des Menschen. Autistische oder verhaltensgestörte Menschen wiederum öffnen sich beim Umgang mit diesen Tieren.

Nicht erst seit der Fernsehserie "Flipper" sind Delfine bei Kindern und Eltern beliebt. Vielmehr gibt es die besondere Beziehung zwischen Mensch und Delfin seit Jahrtausenden. Im antiken Griechenland galten sie als heilig. In Sagen erscheinen Delfine als Retter von Schiffbrüchigen. Auch heute machen Delfine als Helfer Schlagzeilen. So retteten sie einem 20-jährigen Chilenen das Leben, als er durch eine Strömung von der Küste abgetrieben wurde. Außerdem schlagen Delfine immer wieder Haie in die Flucht, die Badegäste angreifen. Der jüngste Fall einer glücklichen Rettung ist der Italiener Davide. Er war mit seinem Vater auf einem Sport-Boot vor dem italienischen Hafen Manfredonia unterwegs. Als der 14-Jährige seine Füße im Wasser baumeln ließ, rutschte er ab. Verzweifelt versuchte Davide, sich über Wasser zu halten - er kann nicht schwimmen. Sein Vater merkte nichts und fuhr weiter. Gerettet wurde Davide schließlich von Filippo - einem Delfin, der seit 1998 in der Umgebung lebt. Filippo drückte den Jungen wieder an die Meeresoberfläche und schleppte ihn zum Boot des Vaters.

Die Rettungsaktion machte den Delfin in Italien zum Star. Bei den Fischern des Ortes ist er aber schon lange beliebt. "Er schenkt uns ein bisschen Freude", sagt ein alter Fischer. Fast täglich begleitet er sie bei Fangfahrten und wartet auf den einen oder anderen Happen. Von Kindern lässt er sich streicheln, Hafenfeste erhalten durch Filippo einen zusätzlichen Reiz. Sein Verhalten gibt den Forschern jedoch Rätsel auf. Denn ganz typisch ist es nicht. Jetzt will der amerikanische Forscher Dean Bernal genauer studieren. Seit längerem betreut er einen Delfin in der Karibik, der sich ähnlich verhält. Wenn Delfine allerdings Menschen vor dem Ertrinken retten, könnte das auch ein Reflex sein. Denn geschwächten Artgenossen wird auch geholfen, zum Atmen aufzutauchen.

Die therapeutische Rolle von Delfinen verarbeitet der Regisseur Fahrad Yawari in seinem jüngsten Film "Dolphins". Viele Kritiker sehen in dem 45-Minuten-Streifen nur unsäglichen Kitsch, die deutsche Filmförderung versagte gar jede Unterstützung. Doch stehen hier die Delfine für Freiheit. Lara wird gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Klinik festgehalten. Aber immer wenn sie mit Wasser in Berührung kommt, kann sie der bedrückenden Umgebung entfliehen. In ihren Träumen schwimmt sie dann zusammen mit Delfinen durchs Meer. Am Ende des Films werden ihre Träume schließlich wahr. Dass die Begegnung mit den Tieren zum Beispiel kontaktgestörte Kinder öffnen kann, ist inzwischen allgemein in der Medizin bekannt. "Ich habe meine Tochter nach den Schwimmstunden mit den Delfinen das erste Mal im Leben aus vollem Bauch lachen hören", sagt die Mutter eines autistischen Kindes. Nach Angaben von Erwin Breitenbach von der Universität Würzburg haben die Delfine eine Art "Eisbrecherfunktion".

Kinder bauen durch die Therapie eine immer engere Verbindung zu den Delfinen auf. Die Forscher erwarten, dass die Kinder dadurch ausgeglichener und kontaktfreudiger werden - auch gegenüber Menschen.

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