Welt : Den Jecken lachte die Sonne

Millionen säumten am Rosenmontag die Straßen – auch der umstrittene Bush-Wagen war dabei

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Mainz/Köln/Düsseldorf Närrischer Spott für Politiker und Prominenz, Kamelle-Regen für das Publikum: Bei den traditionellen Rosenmontagszügen am Rhein haben die Jecken die Welt wieder ins närrische Lot gebracht. Bei heiterem Himmel jubelten allein in Mainz, Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen bis zu drei Millionen Narren den Festumzügen zu. Den Anfang machte um Punkt elf vor elf der Kölner „Zoch“, die Mainzer starteten um elf nach elf und der längste Rosenmontagszug in der Düsseldorfer Geschichte setzte sich am Nachmittag in Bewegung.

Auch in zahlreichen anderen Städten wie Koblenz, Saarbrücken, Trier, Essen, Recklinghausen, Fulda sowie in Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt rollten die Narren mit bunten Rosenmontagszügen. In Herbstein im hessischen Vogelsberg bejubelten mehrere tausend Menschen den traditionellen „Springerzug“. Bereits am Morgen waren zum Auftakt des närrischen Rosenmontagstreibens in Baden-Württemberg rund 25000 Zuschauer zum Rottweiler Narrensprung gekommen.

In Köln gingen die Jecken unter dem Motto „Kölle un die Pänz us aller Welt“ (Köln und die Kinder aus aller Welt) auf die Straßen und blickten auf den Weltjugendtag im August. Dabei ließen sie auch Topmodel Heidi Klum nicht aus den Augen. Gemeinsam mit ihrem Verlobten, dem britischen Sänger Seal, schunkelte sie auf dem Wagen der Roten Funken an rund einer Million Jecken vorbei. Die beiden waren zunächst zu spät gekommen und mussten mit einem Rettungswagen hinter dem Festwagen der Roten Funken hergefahren werden, auf dem sie eigentlich von Anfang hätten mitfahren sollten. Mit ihren Motivwagen nahmen die Jecken unter anderem die Agenda 2010, die leeren Kassen von Finanzminister Hans Eichel und die Rechtschreibreform auf den Arm.

In Düsseldorf zogen unter dem Motto „Bunt wie die Welt“ mehr als 5500 Narren – verteilt auf rund 70 Mottowagen, 40 Kapellen und Dutzende Fußgruppen - über die 5,5 Kilometer lange Zugstrecke. Unter dem Motto „Echte Bönnsche oder net, im Karneval määt jeder met“ feierten in Bonn mehr als 3300 Jecken mit 116 Festwagen. Die 3,8 Kilometer langen Narrenparade wurde von rund 250.000 Schaulustigen bejubelt.

Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) schickte 15 Motivwagen auf die 7,2 Kilometer lange Zugstrecke. Dabei bekamen Bonner Regierungsmitglieder und CDUChefin Angela Merkel ihr Fett weg: Im umstrittensten Wagen eilt sie im Laufschritt auf eine Leiter zu, die an das entblößte Hinterteil von US-Präsident George W. Bush anlehnt. Das Motiv hatte, wie berichtet, im Vorfeld große Empörung ausgelöst. Bemühungen von Seiten der CDU, die Mainzer Karnevalisten zum Verzicht auf diesen Wagen zu bewegen, scheiterten. „Wenn wir dazu kommen, in unserer Mainzer Fastnacht Zensur zu üben, dann sind wir am Ende“, sagte derMainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD). Auch der Leiter des Karnevalsvereins hatte im Vorfeld Einfluss von außen zurückgewiesen.

Bejubelt von mehr als 5000 fröhlichen Schaulustigen haben die thüringischen Narren die Straßen von Sondershausen erobert. Rund 50 Wagen waren nach Angaben der Polizei am Vormittag in dem Narren-Tross durch die Innenstadt unterwegs. Auch in Sachsen-Anhalt haben Zehntausende am Montag Straßenkarneval gefeiert. Beim längsten Umzug in der Hochburg Köthen säumten rund 50.000 Menschen die Straßen.

Apfelsinen statt Kamelle gab es dagegen bei der traditionellen Orangenschlacht im italienischen Städtchen Ivrea bei Turin. 164 Menschen wurden dabei verletzt. Bei dem skurrilen Karnevalsbrauch bewerfen sich alljährlich rund 4000 Apfelsinen-Kämpfer mit 360 Tonnen der Zitrusfrüchte. 25000 Zuschauer folgten dem matschigen Spektakel.

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