Welt : Denglisch-Diskussion: Blutwurst Produces Heavy Grübelsucht!

Mit Mark Britton sprachen wir über den Klang

Mit Mark Britton sprachen wir über den Klang der deutschen Sprache in britischen Ohren. Der 42-jährige Komiker mit Wohnsitz Köln, in Berlin bekannt als Hälfte des Duos "Nickelodeon" und durch seine One-Man-Show "Apatschen à Go-Go", bereitet gerade die Inszenierung seines Stückes "Heaven" vor, das im Mai im Renaissance-Theater uraufgeführt wird:

"ACHTUNG! DUMMKOPF! Das waren meine ersten deutschen Worte. Seit ich in Deutschland lebe, habe ich sie noch nie gehört, aber wir sind ja mit Comics und Filmen groß geworden, in denen es dauernd um den Zweiten Weltkrieg ging. Die meisten Briten denken immer noch, dass alle Deutschen so sprechen wie Hitler seine Reden hielt: immer im Stakkato, als hätten sie einen Finger im Po - ganz dringend, aber dabei sehr formell. Dass jeder Satz mit einem und beginnt und mit einem Ausrufezeichen endet. In britischen Ohren klingt Deutsch so, als wenn jemand rückwärts spricht - mit schottischem Akzent.

Schadenfreude ist wohl das bekannteste deutsche Wort, das beschreibt ein Gefühl, das es auf Englisch nicht gibt. Sonnenbank ist auch ziemlich geläufig und Realpolitik. Vor ein paar Jahren gab es noch ein sehr bekanntes Wort, aus der VW-Werbung: Durchsprungtechnik. Keiner wusste, was das bedeutet, aber alle glaubten, dass es was mit Autos und Perfektionismus zu tun hat. Die deutschen Ausdrücke, die wir übernehmen, sind meist sehr präzise, oft technisch, und beschreiben etwas, was es so im Englischen nicht gibt. Im Alltag haben wir ja einen so reichen Sprachschatz, da brauchen wir das Deutsche nicht.

Ein freundlicherer Ton würde beim Export deutscher Wörter schon helfen. Jede Sprache hat ja ihren eigenen Gang. Das Französische klingt so, als würde eine Ballerina auf Zehenspitzen tanzen. Deutsch klingt wie jemand, der marschiert. Aber ist auch eine so romantische, poetische Sprache, das vergessen die Deutschen oft.

Es gibt so schöne Wörter. Gemütlich zum Beispiel: Das klingt genau so, wie das, was es bezeichnet. Bei furzen ist das auch so. Im Englischen ist das viel zu schwach: to fart. Sehr gern mag ich auch Staatsangehörigkeit - weil es so typisch ist - oder Aufenthaltserlaubnis. Mein Lieblingswort, neben Brustwarze und Verhütung, ist aber Schamhaar. Ich habe zuerst immer Charme verstanden, bis ich kapiert hab, das ist Haar, für das man sich schämen muss. Mein Gott!"

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