Depeche Mode : Treffen mit den Außerirdischen

Die britische Band Depeche Mode hat ihre große "Tour of the Universe" angekündigt. Die Musiker werden am 10. Juni 2009 im Olympiastadion auftreten.

Eva Kalwa
Depeche Mode
Martin Gore, David Gahan und Andrew Fletcher (v.l.) von der britischen Band Depeche Mode gehen auf Welttournee. -Foto: ddp

BerlinAuf einer winzigen Bühne sind auf der Leinwand Videomitschnitte der letzten Tour zu sehen: Das 21 Jahre alte "Behind the wheele" dröhnt vom Band, Dave Gahan lässt auf der Videoleinwand gewohnt lasziv die Hüften kreisen – nichts hier im Olympiastadion deutet auf die reale Anwesenheit von Depeche Mode hin. Und doch wirkt die Atmosphäre so elektrisch aufgeladen wie bei den gigantischen Live-Auftritten der britischen Band.

Die Augen von Hunderten von Fans, die der gestrigen Pressekonferenz zur neuen Europa- und Amerikatournee des Trios beiwohnen durften, wandern zwischen dem Blitzlichtgewitter der Fotografen an der Ostseite des Stadions und den Konzertausschnitten hin und her. Als mit "World in my eyes" ein weiterer Klassiker erklingt, stimmen sie mit ein, stehen auf und schwenken die Arme wie die Massen auf der Leinwand. Mehr als 11.000 Anhänger der Band hatten sich um das Privileg beworben, an diesem Tag im Olympiastadion dabei sein zu dürfen.

Die Magie der Massen

Plötzlich ertönt ein Schrei, dann mehrere. Die Leinwand zeigt Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher, wie sie entspannt lächelnd die Stufen zur Südtribüne hinaufsteigen. Und plötzlich stehen sie da, fast zum Anfassen nah, und natürlich ganz in Schwarz: Die charismatischen Prediger des Synthie-Pops, die musikalischen Verführer der Massen.

28 Jahre stehen sie mittlerweile gemeinsam auf der Bühne. Was nur wenige Gruppen schaffen, scheint ihnen ohne sichtbare Anstrengung zu gelingen: Von Tournee zu Tournee, von Album zu Album immer noch erfolgreicher, noch beliebter zu werden und dabei nicht nur die mit ihnen älter werdenden Fans der ersten Stunde mitzunehmen, sondern immer wieder neue, junge Fans dazuzugewinnen. "Man kann nicht erklären, was da zwischen uns und den Tausenden von Fans auf einem Konzert passiert. Es ist magische, positive Energie. Und wir brauchen sie", sagt der 46-jährige Gahan.

Konzert im Olympiastadion

Am 10. Juni kommen Depeche Mode ins Berliner Olympiastadion, seit gestern kann man die zwischen 55 und 65 Euro teuren Karten beim Internetanbieter Eventim bestellen. Beginnen wird die Europatournee am 10. Mai in Tel Aviv, zum ersten Mal tritt die Band in Israel auf. Weitere Stationen werden unter anderem Griechenland, Polen, England, Schweden und Portugal sein, dort findet am 11. Juli das vorläufige Finale statt, dann geht es weiter nach Nord- und Südamerika.

Ob die Tournee im Herbst in Europa fortgesetzt wird, wollen die Bandmitglieder noch offenlassen. "Sie spielen nicht in Stockholm oder Göteborg, sondern in Arvika – was wissen Sie über die Stadt?", fragt ein schwedischer Journalist. Gahan lacht auf die Frage so, dass er fast vornüber fällt: "Nun, jetzt wissen wir zumindest, dass es eine kleine Stadt ist!" Gelöst und offen, ständig zu Scherzen und Albernheiten aufgelegt, wirken die drei Musiker, was bei ihrer düsteren Musik, den vielen Texten über Selbstentfremdung und Liebesverlust nicht ohne Weiteres zu erwarten ist.

"Man hat uns mitgeteilt, dass es da draußen im Universum fremdes Leben gäbe"

Auf die Frage, welches Geheimnis sich hinter dem Titel "Tour of the Universe" verbergen würde, antwortet Fletcher mit ernster Miene: "Man hat uns mitgeteilt, dass es da draußen im Universum fremdes Leben gäbe – wir wollen einfach die Ersten sein, die es entdecken!" Auch die zwei Stücke "Wrong" und "Peace", die auf dem neuen, voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres erscheinenden Album zu finden sind und im Olympiastadion kurz angespielt werden, folgen dem typisch hymnischen, massenbewegenden elektronischen Sound, für den Depeche Mode berühmt ist. "Wir benutzen immer noch sehr gern viele unserer alten Musikgeräte aus den 80ern", erzählt Keyboarder Martin Gore. Sie seien oft zuverlässiger und kämen ihrem kreativen Spielgeist mehr entgegen als die modernen.

Wird es überhaupt einen großen Unterschied zu dem letzten gigantischen Live-Zyklus "Touring the Angel" vor drei Jahren geben? "Natürlich", lacht Gahan, "wir sehen einfach noch viel besser aus!"

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