Welt : Der Alltag und andere Risiken

Studie: Deutsche fürchten Inflation und Naturkatastrophen – überforderte Politiker ängstigen sie weniger.

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Hoch im Kurs. Naturkatastrophen ängstigen die Deutschen. Foto: dpa
Hoch im Kurs. Naturkatastrophen ängstigen die Deutschen. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Der gegenwärtige Bundestagswahlkampf muss einer der erfolgreichsten aller Zeiten sein. Denn die Angst der Deutschen, dass ihre Politiker überfordert sein könnten oder sich nicht gut um ihre Interessen kümmern, ist stärker gesunken als je zuvor. Seit 20 Jahren befragt die R+V-Versicherung 2500 Deutsche zu ihren Ängsten. Am Donnerstag stellte die Versicherungsgruppe der Volksbanken das Ergebnis ihrer Studie „Die Ängste der Deutschen 2013“ vor. Die Furcht vor überforderten Politikern ist demnach im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte gefallen.

„Das ist erstaunlich, zumal gerade vor Bundestagswahlen diese Werte regelmäßig nach oben gingen“, sagte Rita Jakli, Leiterin des Infocenters der R+V-Versicherung, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Seit 2001 fragen die Studienautoren nach der Überforderung von Politikern. Den Höchststand hatte diese Sorge nach Angabe der Versicherung im Jahr 2003 mit 66 Prozent erreicht.

Insgesamt sind die Deutschen 2013 nicht allzu ängstlich. Zwar stieg der „Angstindex“ um einen Prozentpunkt, liegt aber mit 41 Prozent nicht besonders hoch. Die Ost- und die Westdeutschen sind zudem erstmals, seit das R+V-Infocenter mit seiner Befragung begonnen hat, gleichauf. So optimistisch seien die Ostdeutschen seit den frühen 90er Jahren nicht mehr gewesen, heißt es in der Studie. Vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit hat demnach abgenommen. Dagegen fürchten sich die Westdeutschen wohl auch nach der Erfahrung dieses Frühsommers, als sieben Bundesländer überflutet worden sind, mehr vor Naturkatastrophen als die Ostdeutschen. Im Westen machen Naturkatastrophen 57 Prozent der Befragten Angst, im Osten sind es 52 Prozent. Insgesamt steht die Angst vor einer steigenden Anzahl von Naturkatastrophen auf Platz zwei.

Die größte Sorge der Deutschen sind jedoch steigende Lebenshaltungskosten. Und das seit 1992 fast jedes Jahr. „Weil viele Lebensmittel teurer werden, ist die gefühlte Inflationsrate ungleich höher als die tatsächliche Inflationsrate von etwa zwei Prozent“, analysiert Professor Manfred Schmidt. Der Politologe der Universität Heidelberg berät das R+V-Infocenter bei der Studie. Einen wohl noch größeren Anteil an der Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten dürften allerdings die vor allem in den Städten stark steigenden Mieten und Nebenkostenabrechnungen (Heizkosten) haben. Schmidt sagt aber auch: „Trotz Lohnerhöhungen haben viele Arbeitnehmer real weniger Geld zur Verfügung.“ Er begründet das mit steigenden Gebühren für öffentliche Leistungen sowie Preiserhöhungen bei Benzin und Strom. Im Osten ist die Furcht vor steigenden Kosten des täglichen Lebens mit 67 Prozent deutlich höher als im Westen, wo 59 Prozent sie besonders fürchten.

Im Ländervergleich wohnen in Sachsen-Anhalt die ängstlichsten Deutschen, den Spitzenplatz behaupten sie bereits seit Jahren. Dicht gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern. Die am wenigsten besorgten Deutschen leben in Berlin. Nur 33 Prozent der Hauptstadtbewohner fürchten sich sehr vor der Zukunft. Der Angstindex der Berliner sank im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozentpunkte. Allerdings machen sich die Berliner auch weiterhin – vermutlich zu Recht – Sorgen um ihre wirtschaftliche Situation. An der Spitze der Berliner Ängste stehen mit 59 Prozent die steigenden Lebenshaltungskosten und mit 51 Prozent die schlechte Wirtschaftslage. Platz drei belegen die Naturkatastrophen mit 44 Prozent.

Die Brandenburger dagegen sind mit einem Angstindex von 44 Prozent die drittängstlichsten Deutschen. Auch sie fürchten vor allem steigende Lebenshaltungskosten (70 Prozent). Gleichfalls macht die zunehmende Zahl von Naturkatastrophen (64 Prozent) und eine Verschlechterung der Wirtschaftslage (64 Prozent) den Brandenburgern Angst. Die Debatte über die „verockerte“ Spree dürfte die Furcht der Brandenburger vor „Naturkatastrophen“ wohl noch angeheizt haben, auch wenn das keine ist, sondern klar auf den Braunkohlebergbau, also menschliches Handeln zurückzuführen ist. Nur 20 Prozent befürchten Opfer einer Straftat zu werden. Dagmar Dehmer

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