Welt : Der alte Mann ist tot

Der kubanische Fischer Gregorio Fuentes, der Ernest Hemingway zu seiner Erzählung "Der alte Mann und das Meer" inspirierte, ist tot. Er starb am Sonnabend im Alter von 104 Jahren im Dorf Cojimar nahe der Hauptstadt Havanna, berichtete das kubanische Fernsehen am Sonntag (Ortszeit). Fuentes war Vorbild für eine der berühmtesten Figuren der amerikanischen Literatur: den alten Fischer Santiago, der noch einmal hinausfährt und den Fisch seines Lebens fängt, ihn aber auf dem Heimweg an die Haie verliert.

Fuentes war mehr als 20 Jahre lang Freund und Weggefährte Hemingways. Auf einer gemeinsamen Bootsfahrt soll der Schriftsteller auf die Idee zu der Erzählung gekommen sein. Sie hätten zusammen beobachtet, wie ein Fischer verzweifelt mit seiner Beute kämpfte und dabei alle Hilfe ablehnte, erzählte Fuentes einmal. "Später hörten wir, dass der alte Mann gestorben ist." Das habe Hemingway sehr traurig gemacht. "Ich weiß, dass er deswegen das Buch geschrieben hat." Hemingways Bücher habe er aber nie gelesen, erzählte Fuentes. Dafür aber die Touristen aus aller Welt, die den alten Mann in seinem Häuschen seit Erscheinen des Buches im Jahr 1952 besuchten.

Hemingway, der 1961 Selbstmord beging, vermachte Fuentes seine Yacht "Pilar", damit er sich um sie kümmern sollte, "wie er es schon immer gemacht hatte". Der Kubaner übergab das Schiff und andere Andenken dem Staat. Noch vor kurzem sprach Fuentes in der Bar "la Terraza" in Cojimar über sein Verhältnis zu Hemingway: "Ich war sein Koch, sein Seemann, sein Schiffskapitän und sein Begleiter."

Fuentes wurde am 18. Juli 1897 auf der Kanaren-Insel Lanzarote geboren. Er kam als kleiner Junge nach Kuba und wurde dort später zum Freund des amerikanischen Autors. Für "Der alte Mann und das Meer" bekam Hemingway den Pulitzer-Preis. 1954 wurde er mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt. Berühmt ist auch die Verfilmung mit Spencer Tracy von 1958.

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