Der angebissene Apfel auf der Motorhaube : Apple auf dem Weg zum iCar

iPhone, iPad, Apple Watch … und wie weiter? Der amerikanische Hightech-Konzern mit dem Kultstatus treibt offenbar die Entwicklung eines eigenen Elektrofahrzeugs voran.

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Wird das Apple-Logo bald auch ein Auto zieren?
Wird das Apple-Logo bald auch ein Auto zieren?Foto: Peter Kneffel/dpa

Auf die Automobilindustrie kommt etwas zu: iCar von Apple. Spekuliert wird über ein eigenes Fahrzeug des iPhone-Konzerns schon lange. Jetzt gibt Apple selbst den Gerüchten neue Nahrung: „Das Auto ist das ultimative Mobil-Gerät, nicht wahr?“, sagte jetzt der für das Tagesgeschäft zuständige Apple-Manager Jeff Williams auf einer Konferenz in San Francisco. Das Lächeln in seinem Gesicht sprach Bände. Details verriet Williams nicht. „Wir schauen uns eine Menge Märkte an.“ Apple tut, was Apple immer tut, um die Spannung vor dem next big thing zu erhöhen: Der US-Konzern spielt mit den Erwartungen des Publikums, er deutet an, er raunt. Bis zu dem Tag, an dem das US-Unternehmen der Apple-Gemeinde ein neues Produkt präsentiert, das sich im besten Fall seinen eigenen Markt selber schaffen kann.

Nach Mac-Computern, iPod, iPhone, iPad und Apple Watch wäre ein iCar tatsächlich etwas ganz Neues – auch für Apple. Ähnlich wie der Internetriese Google experimentiert der Konzern aus dem Silicon Valley mit eigenen, innovativen Ideen in Geschäftsfeldern rund um die Themen Mobilität, autonomes Fahren, E-Mobility. Anfang des Jahres hieß es, Apple habe ein rund 1000 Mitarbeiter starkes Team, das ein Elektroauto entwickele. Ein Geschäftsmodell für das Projekt mit dem Namen „Titan“ gebe es bereits, Patente seien angemeldet worden. Als möglicher Starttermin wurde das Jahr 2020 genannt. Angeblich kann sich die Personalabteilung nicht vor Bewerbungen von Automanagern retten. Mitarbeiter von Tesla und Ford seien abgeworben worden. Auch soll es Gespräche mit dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna gegeben haben, der auf die Steuerung von Batterien und Elektromotoren spezialisiert ist. Doch Magna verkaufte seine Sparte an Samsung.

Abwegig sind all diese Überlegungen dennoch nicht, denn Apple verfügt über etwas, das die Autoindustrie immer stärker braucht: Daten, Software und ein Gespür für gutes Design. Warum sollte das Unternehmen dieses Know-how nicht selber nutzen ? Dass ein Branchenfremder die Autohersteller unter Druck setzen kann, zeigt das Beispiel Tesla. Der kalifornische E-Auto-Hersteller ist mit seinen luxuriösen Elektrolimousinen, die mit ihren Batterien weiter fahren als die Konkurrenz, derzeit der weltweit erfolgreichste Anbieter von Elektromobilität. Gerüchten zufolge soll Apple eine Übernahme von Tesla geprüft haben – für 75 Milliarden Dollar.

Ob Apple, Facebook oder Google – die Software der Internetkonzerne steckt schon heute in vielen neuen Autos. Die Apple-Plattform Car-Play bietet zum Beispiel die Möglichkeit, das Smartphone über die Anlage im Auto zu bedienen – etwa für die Navigation, das Senden und Empfangen von Nachrichten oder das Abspielen von Musik. Alle großen Hersteller bieten das System an, häufig parallel zu Googles Android Auto. In den vergangenen Wochen haben die Fahrzeughersteller fast täglich neue Apps präsentiert, die die neue Apple Watch mit dem Auto verbinden. Die Zukunft ist ohne eine noch engere Zusammenarbeit mit den IT-Konzernen kaum vorstellbar. „Google und Apple sind teilweise unsere Partner“, sagt denn auch Matthias Wissmann, Präsident des deutschen Autoverbandes VDA. „Es hängt von unserer Kommunikationskompetenz ab, ob wir in diesem Ringen um die Zukunft weiterhin den Spitzenplatz in der Champions League haben.“ Geschenkt werde der Autobranche nichts.

Der Kampf um die Hoheit über die Daten im Auto ist somit längst eröffnet. Dass Apple & Co. in Zukunft auch die Produktion der Autos übernehmen, ist nach Meinung von Experten allerdings unwahrscheinlich. „Ich kenne keinen Autobauer, der sich darüber ernsthaft Sorgen machen würde“, sagt Peter Fuß, Autoexperte des Beratungsunternehmens EY. „Die Komplexität der Fahrzeuge mit mehr als 5000 Einzelteilen, die große Verantwortung für die Sicherheit, die vergleichsweise niedrigen Gewinnmargen – all das spricht dagegen, dass Apple tatsächlich selbst Autos bauen will“, sagt Fuß.

Gleichwohl sei das Interesse der Hightech-Konzerne groß, mit ihren Produkten in die Fahrzeuge hineinzukommen – und dies möglichst schnell. „Mit der Drohung, man könne Autos im Zweifel auch selber bauen, stößt Apple die Autoindustrie an“, sagt Berater Fuß. Es gehe um mehr Tempo, um kürzere Innovationszyklen in der PS-Branche, die fünf bis sieben Jahre braucht, um ein neues Auto auf den Markt zu bringen. Die IT-Industrie ist schneller. „Sie kommen aus einer anderen Welt, sie stellen andere Fragen und geben andere Antworten“, sagt Fuß.

Und manchmal bringen sie auf den Punkt, was viele Autokäufer denken: „Es gibt ein paar schockierende Autos auf den Straßen“, sagte Apple-Chefdesigner Jony Ive dem „New Yorker“. Ive ist ein Autoverrückter, der sich in einem Bentley chauffieren lässt und einen Aston Martin DB4 in der Garage stehen hat. In der Schublade dürfte Ive auch längst das Design für das künftige iCar haben.

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