Welt : Der Arme ist der Dumme

Ein neues Stadium öffentlicher Entblößung – am Montag startet RTL2 mit „Big Brother – the Battle“

Sarah Berg

Noch ein letzter Blick zu den Verwandten und Freunden, noch ein Strahlen für die Journalisten, dann wird sich Montagabend in Köln Ossendorf hinter acht Männern und Frauen eine schwere Doppeltür schließen. Big Brother ist zurück und beschert seinen Kandidaten nach zwei Jahren Pause wieder die Aussicht auf bis zu 99 Tage Rundumüberwachung: Kameras und Mikrofone überall, keine Sekunde allein sein – egal ob vor dem Badezimmerspiegel die Zahnpasta spritzt oder nachts mit offenem Mund geschnarcht wird. Auch „prominente Gäste“ werden erwartet, die frühere Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko zum Beispiel, oder Oli P., Giovanni von Bro’Sis oder René Weller.

Klingt alles bekannt. Doch weil die Zuschauer sich von der geballten Dosis an profanen Alltagsszenen bei der dritten Staffel im Frühjahr 2001 nicht mehr gefesselt fühlten, gehen RTL2 und die Produktionsfirma Endemol nun mit dem verschärften Konzept „Big Brother – the Battle" auf Quotenjagd. „Die Zuschauer wollen heute Leistung sehen", erklärt Borris Brandt, Geschäftsführer von Endemol Deutschland. „Deshalb wird man in der neuen Staffel auch keine Menschen mehr sehen, die auf der bunten Couch herumsitzen." Zwei rivalisierende Teams sollen im Battle-Konzept Spannung erzeugen.

Mit 530 Quadratmetern Wohn- und Gartenfläche bietet das neue Big-Brother-Haus seinen Bewohnern drei Mal so viel Platz wie früher. Vorausgesetzt man gehört zum Team der Sieger: Ein blau glitzernder Pool im Garten, gleich nebenan Sauna und Whirl-pool, dazu zwei Bäder und ein Gemeinschaftsschlafzimmer, in dem Rottöne aller Schattierungen wie eine Einladung zur kollektiven Nachtromantik wirken. Von der – sei sie von RTL2 auch noch so kitschig inszeniert - können die spartanisch ausgerüsteten Verlierer nur träumen. Ganze 80 Quadratmeter stehen ihnen zu. Mit Isomatte und Schlafsack müssen sie sich auf Stroh betten. Zum Waschen geht es unter die kalte Gartendusche, die im Freien direkt neben dem Toilettenhäuschen steht.

Zaun und Absperrkordel ziehen im Big-Brother-Haus die Trennlinie zwischen Arm und Reich. Wer sie überschreitet, wird bestraft. Eine exakte, aber auch gewollt transparente Grenze. Sehen, was die anderen haben oder nicht haben und dementsprechend typische Instinkte wie Neid oder Schadenfreude entwickeln, ist die Devise. Und die funktioniert bekanntlich besonders gut, wenn essenzielle menschliche Bedürfnisse ins Spiel kommen – wie zum Beispiel Essen. Während das Gewinnerteam 500 Euro pro Tag hat, um sich Leckereien zu bestellen, müssen die Verlierer erst mal Holz hacken, bevor ihr Körnerfutter im Herd aus Uromas Zeiten halbwegs genießbar wird. Bedingungen, die ein Dauerleben im Verliererteam zur Qual machen. Da trifft es sich gut, dass RTL2 die Bewohner in unregelmäßigen Abständen zu kleinen Kämpfen aufs „Battle-Field", sprich eine Miniausgabe der Gladiatorenarena, schickt. Darin können die Verlierer mit sportlichen Wettkämpfen, Gedächtnisspielen, Einzel- oder Mannschaftsaufgaben wieder zu Gewinnern werden. Bis sie den nächsten Kampf verlieren …

Ein ewiges Auf und Ab, das die Kandidaten immerhin schon mal auf das vorbereitet, was auch bei „Big Brother – the Battle" unweigerlich kommen muss: das Rauswählen. Sechs Wochen lang wird von den Zuschauern jeweils ein Bewohner rausgewählt, immer zwei Nachrücker kommen neu ins Haus. Erst wenn die Anzahl der Kandidaten auf 13 gestiegen ist, müssen sie sich auch gegenseitig nominieren. Die Entscheidung über Bleiben und Gehen liegt wie immer beim Zuschauer. Ecken und Kanten sollen die Kandidaten haben, daran hat sich auch diesmal nichts geändert. Über die Identität der Neuen hüllt sich RTL2 zwar noch in Schweigen. Doch mit den dramaturgischen Extremen zwischen überdrehter Zicke und nettem Knuddelbär, so sagt die Sprecherin Maren Mossig, könne man auch diesmal wieder rechnen. Ob hier wie in früheren Staffeln neue Stars gebacken werden, entscheidet der Erfolg des neuen Konzepts. Was bekommt der Sieger? Mossig: „Irgendetwas über 100000 Euro".

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