Welt : Der Auslöser

Robbie Williams macht Fotografen das Leben schwer – heute in Berlin will er aber freundlicher sein

Ulf Lippitz

Es herrscht keine Liebe zwischen Robbie Williams und den Fotografen. Weil sie vor ihm da sind, wenn er zu einem Therapeuten geht, zu den Anonymen Alkoholikern oder zu einem Fußballspiel. In seiner Biografie „Feel“ aus dem Jahr 2004 räsoniert er bitter: „Ich glaube, im Ernst, dass man es hier mit dem Teufel zu tun hat. Das sind Leute, die dich sterben sehen möchten.“ Ihre Arbeit kann er nicht verbieten, aber sie einschränken – wie auf den Deutschland-Konzerten.

Alle großen Nachrichten-Agenturen sollten so genannte Knebelverträge unterschreiben, wenn sie von der Tour Aufnahmen machen wollten. Darin hätten sie sich verpflichtet, die Rechte an das Konzert-Management abzutreten, die Bilder nicht an Dritte weiterzuverkaufen und nur für eine Dauer von drei Monaten zur Verfügung zu stellen. Unzumutbar, befanden die Agenturen – und setzten die Berichterstattung aus. Der Radiosender SWR3 kündigte aus Solidarität die Kooperation mit dem Musiker auf. Wolfgang Fürstner empfahl als Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) „einen Verzicht auf die Berichterstattung“.

So geschah es. Das Management des britischen Superstars scheint nun einzulenken. Unbestätigten Quellen zufolge wird für das heutige Konzert in Berlin eine neue Fotografen-Regelung gelten. Wie sie im Detail aussehen soll, bleibt unklar. Weder der deutsche Konzertveranstalter MCT noch die Plattenfirma EMI wollten sich hierzu äußern. Dem Branchenblatt „Der Musikmarkt“ sagte MCT-Geschäftsführer Scumeck Sabottka jedoch, die Debatte habe etwas „typisch Deutsches und Kleinkariertes“. Auch Robbies Manager David Enthoven schätzt im selben Blatt den Medienrummel so ein: „Es ist eine Schande.“

Die Fronten zwischen Künstlern und Journalisten verhärten sich. Der Grund: Die Boulevard-Medien agieren aggressiver, belagern Prominente immer unverschämter, riskieren rechtliche Gratwanderungen, um an spektakuläre Fotos zu gelangen. Pop-Star Elton John sagte erst vergangenen Monat: „Die Scheiß-Fotografen sollten alle erschossen werden.“ Womit er wohl nicht seine Haus- und Hof-Bilder-Lieferanten wie David La Chapelle meinte.

Die Konsequenz seitens der Künstler heißt: Alle Medien stehen unter Generalverdacht. Anwälte handeln knallhart aus, was wie in der Presse zu erscheinen hat. Angelina Jolie und Brad Pitt setzten sich vor der Geburt ihres Kindes nach Namibia ab und erwirkten von der Regierung ein offizielles Einreise-Verbot für Journalisten. Das erste Baby-Foto verkauften sie angeblich zu einem Rekordpreis von vier Millionen Dollar an die US-Zeitschrift „People“ – die freilich ohne Beanstandung der Pressefreiheit das Bild druckte. Der „Spiegel“ merkte süffisant an: „Boulevard-Pack schlägt sich, Boulevard-Pack verträgt sich.“

Der Fall Robbie Williams schlägt deshalb so hohe Wellen, weil eben nicht der Boulevard getriezt wird, sondern seriöse Medien. Nachrichtenagenturen beliefern Zeitungen im gesamten Land, denen ein eigener Foto-Reporter zu kostspielig ist. Die Burda- und Springer-Klatschmedien legen im Zweifelsfall weniger Wert auf Konzert-Fotos, sie versuchen den Star im Hotel, abends im Club oder splitternackt in der Sauna abzulichten. Das Management des Sängers behauptet, es sei zu keiner Verschärfung der Regeln gekommen. Hingegen handle es sich um dieselben Verträge wie zur Tour 2003 – und völlig branchenübliche. Richtig ist: Immer mehr Popstars erteilen Fotografen nur dann eine Genehmigung, wenn sie vorher ähnliche Verträge unterzeichnen. Die Rolling Stones, Coldplay, Lenny Kravitz handhaben das so. Richtig ist aber auch: Nach Verhandlungen mit dem Management finden beide Seiten oft einen Kompromiss – wie kürzlich bei den Rolling Stones und wohl auch heute Abend in Berlin.

Es ist nicht das erste Mal, dass Robbie Williams in Zusammenhang mit erschwerter Berichterstattung kritisiert wird. Im vergangenen Oktober stellte er in Berlin weltexklusiv sein Album „Intensive Care“ vor. Das dazugehörige Konzert im Velodrom durfte nur eine britische Agentur ablichten – und die Bilder dann für 220 Euro weiterverkaufen. Deutsche Fotografen waren lediglich Aufnahmen von der Live-Übertragung in einem Kino gestattet. Die anschließende After-Show-Party dokumentierten Fotografen, die sich vorher schriftlich verpflichten mussten, den Sponsor in Text und Bild festzuhalten. Dagegen legten einige Medien Protest ein.

Dem Erfolg tut der momentane Rummel keinen Abbruch. Auch schlechte Publicity ist Publicity. Das aktuelle Album stieg in den aktuellen Verkaufscharts um zehn Plätze nach oben.

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