• Der Ausstellungspavillon des Vatikans auf der Expo 2000 in Hannover feiert Richtfest

Welt : Der Ausstellungspavillon des Vatikans auf der Expo 2000 in Hannover feiert Richtfest

Raoul Fischer

Langsam hebt sich die Richtkrone mit den Girlanden in vatikanischem Weiß-Gelb, mit frommem Blick schauen ihr die Ehrengäste nach. Ein Zimmermann in klassischer Tracht aber ohne Ohrring lehrt Glas um Glas auf das Wohl von Bauherren, Planern und Ausführenden. Der Vatikan feiert Richtfest für seinen Pavillon bei der Expo 2000 in Hannover. Neben Birgit Breuel, Generalkommissarin der Weltausstellung, und dem Nuntius in Deutschland, Erzbischof Giovanni Lajolo, sind auch der Hildesheimer Erzbischof Josef Homeyer und Bischof Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in der Landeshauptstadt Niedersachsens dabei.

Im östlichen Teil des Expo-Geländes ist der Pavillon des Vatikans das erste Gebäude, das Richtfest feiert. Der ringförmige Bau aus Holz und Glas soll Raum für Ausstellungen, Gebets- und Diskussionsveranstaltungen bieten. Während der Weltausstellung wird im Zentrum des Gebäudes eine der ältesten Christusdarstellungen ausgestellt, ein Mandylion aus dem 6. Jahrhundert, das sonst in der Privatkapelle des Papstes im Vatikan hängt. Die 10 Millionen Mark Bau- und Unterhaltskosten trägt die Deutsche Bischofskonferenz. Nach der Expo wird der Pavillon auf Kosten der Solidaritätsaktion Renovabis nach Lettland gebracht, wo es in Liepaja einer Gemeinde als Kirche dienen soll.

Das Motto der Expo 2000, "Mensch, Natur Technik - eine neue Welt entsteht", soll im Heiligen Jahr um das Thema "Christus - Gestern, Heute und in Ewigkeit" ergänzt werden. "Wir wollen die Aufmerksamkeit der Besucher für den Teil der Menschheit wecken, der in Armut und Krankheit, unter politischer Verfolgung und anderen Bedrohungen lebt", sagt Nuntius Lajolo. Bischof Lehmann erinnert daran, dass bei der Bewerbung um die Expo 2000 im Jahr 1988 noch niemand ahnen konnte, dass diese im wiedervereinigten Deutschland stattfinden würde. "Die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber der Weltausstellung schwindet", sagte er. Expo-Chefin Breul begrüßt die Funktion des Pavillons als Ort der Stille und Begegnung. Fast entsteht bei ihrer Ansprache der Eindruck, dass die Weltausstellung besonders religiös wird. Nicht allein der Vatikan hat hier einen Pavillon. Im Westen des Messegeländes, das etwa zwei Drittel der Ausstellungsfläche bildet, gibt es noch ein ökumenisches Zentrum. Auch der Zentralrat der Muslime wird vertreten sein, der äthiopische Pavillon stellt die christlichen Felsenkirchen dar, Nepal baut einen Pavillon mit religiösem Schwerpunkt, der asiatische Staat Bhutan erstellt einen buddhistischen Tempel und ein japanischer Zen-Priester plant ein dreitägiges Friedensgebet.

Derweil wird im Vorfeld noch viel gestritten. So lieferten sich die beiden Box-Profis Dariusz Michalczewski und Rocky Graciano Rocchigiani, die mit einem Boxwettkampf am 15. April die große Arena des Geländes eröffnen wollen, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz heftige Wortgefechte. Und die Expo-Gesellschaft streitet mit örtlichen Busunternehmern darüber, wer das finanzielle Risiko einer speziellen Busverbindung mit den umliegenden Ortschaften tragen soll. Im Streit um die Atomenergie hat das niedersächsische Innenministerium indes ausdrücklich vor Castortransporten in der Zeit der Ausstellung gewarnt. Die niedersächsische Polizei sei dann voll mit der Begleitung der Expo beschäftigt.

Trotz dieser Querelen nimmt das Expo-Gelände Konturen an. Während im westlichen Teil noch Planierraupen und Bagger das Bild bestimmen, stehen im Osten schon viele Pavillons im Rohbau. "Wir sind absolut im Zeitplan", erklärt eine Sprecherin der Gesellschaft. Die Beiträge Frankreichs, Schwedens, Dänemarks, Norwegens, Finnlands, Großbritanniens und der Bundesrepublik seien sogar der geplanten Zeit voraus. "Wir sind zuversichtlich, dass zum Beginn am 1. Juni alles fertig ist", sagt sie am Rande des Richtfestes. Damit auch der Ticketverkauf langsam in Schwung kommt, will die Expo-Gesellschaft in der nächsten Woche eine Werbeaktion für rund 40 Millionen Mark starten. In TV-Spots, Hörfunkbeiträgen und Zeitungsartikeln sollen Inhalte und Projekte der Weltausstellung vorgestellt werden. "Wir wollen die Menschen neugierig machen auf ihre persönliche Zukunft und die unseres Planeten", so Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk.

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