Welt : Der Bombenleger gibt auf

Einen Tag und eine Nacht hielt er Polizei in Atem

Viernheim - Nach einem mehr als 24-stündigen Nervenkrieg hat der mutmaßliche Bombenleger von Viernheim aufgegeben. Er verließ am Donnerstagmorgen nach Polizeiangaben mit erhobenen Händen das Haus in der südhessischen Kleinstadt, in dem er sich seit Mittwoch verschanzt hatte, und ließ sich widerstandslos festnehmen. Der Mann soll Anschläge auf Häuser in Viernheim und im nahe gelegenen Weinheim in Baden-Württemberg verübt haben.

Der 44-Jährige war am Mittwochmorgen in seine eigene Wohnung in dem Mehrfamilienhaus geflüchtet, wo er danach mehr als 24 Stunden ausharrte. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und stand nach eigenen Angaben ständig im Kontakt mit dem Mann. Seine Aufgabe führte die Polizei auf „Verhandlungsgeschick“ zurück. Von einer Stürmung des Gebäudes sah die Polizei auch deshalb ab, weil der Mann gedroht hatte, in dem Haus deponierten Sprengstoff zu zünden. Nach seiner Festnahme durchsuchten Einsatzkräfte das Gebäude nach möglichen weiteren Sprengsätzen.

Der Mann wird verdächtigt, für eine Explosion in einem Einfamilienhaus in Viernheim verantwortlich zu sein. Dabei war am Mittwochmorgen ein Ehepaar durch Glassplitter leicht verletzt worden, zwei Kinder erlitten einen Schock. Danach flüchtete er in seine Wohnung. Zu Motiven der Taten machte die Polizei zunächst keine Angaben, in den Medien wurde vermutet, er sei Installateur gewesen und habe sich an säumigen Schuldnern rächen wollen. AFP

Natascha Kampusch, prominentes Entführungsopfer, fühlt sich auch drei Jahre nach der Flucht noch nicht wirklich frei. Die anhaltenden Spekulationen um die Hintergründe der Tat belasteten sie stark, sagte Kampusch am Donnerstag NDR Info. Erdrückend seien auch die zunehmenden Anfeindungen auf der Straße. Ihrer Empfindung nach rücke sie in den Augen der Menschen immer stärker von der Opfer- in die Täterrolle, vor allem in Österreich. „Viele Menschen meinen, sie müssten mein Leben für mich in die Hand nehmen“, klagte die 21-Jährige. Nach ihrer Flucht hätte jeder das vermeintlich Beste für sie gewollt, sagte Kampusch. Die Ärzte im Wiener Krankenhaus hätten sie zunächst wie ein Forschungsobjekt betrachtet. Ihr und den Beratern sei schnell klar gewesen, dass sie jetzt eine Person des öffentlichen Lebens sei. Dadurch habe sie kaum eine Chance gehabt, eigene Entscheidungen zu treffen. Deshalb habe sie sich zurückgezogen. AFP

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