Welt : Der Butler fühlt sich verraten

Paul Burrell gibt der Königsfamilie Schuld an den Enthüllungen

Matthias Thibaut[London]

Hätte die Königsfamilie doch nur ein bisschen Sympathie mit ihm gezeigt, hätten Prinz Charles oder Prinz William ihn, Dianas einstigen Butler, angerufen – nun, er hätte alles gestoppt. „Ein einziger Telefonanruf hätte es verhindern können.“ Das sagte der gekränkte Butler Paul Burrell, der am Montag seine Memoiren mit intimen Kenntnissen über seine Zeit mit Prinzessin Diana veröffentlichte. „Nach 21 Jahren loyalen Dienstes ist ein Telefonanruf nicht zu viel.“

Doch nun hat Burrell mit seinem Buch die britische Monarchie in eine ihrer Krisen gestürzt. Der 369-Seiten-Bericht des Butlers, von dem in den USA bereits eine Million Exemplare gedruckt wurden, endet mit Andeutungen auf ein weiteres, dunkles „Geheimnis“ in Dianas Leben. Ein Geheimnis, das vorerst „zwischen dem Butler und Diana“ bleibt. Schon munkelt man wieder, es habe etwas mit der „homosexuellen Vergewaltigung“ eines Dieners zu tun.

Vergangene Woche hatte Prinz William in einer bitteren Erklärung von „kaltem, offenem Verrat“ an seiner Mutter gesprochen. Burrell listet in dem Buch unter anderem Dianas neun Liebhaber in einer von Diana selbst aufgestellten Reihenfolge auf. Seit Tagen sind britische Zeitungen voll mit Details aus dem königlichen Leben – bis hin zum Bericht über die Königin, die einmal auf dem Kopf die Krone und an den Füßen Pelzpantoffeln getragen haben soll.

„Ich bin der Wahrer dieser Geheimnisse“, sagt Burrell. In einem Prozess hatte man ihn beschuldigt, nach Dianas Tod unrechtmäßig Gegenstände aus ihrer Wohnung entwendet zu haben. Dies sei, um sie später den Prinzen William und Harry zu geben, sagte Burrell damals. Doch nun steht Burrell, der offensichtlich im Besitz von Briefen und Aufzeichnungen Dianas ist, im Krieg mit den Prinzen. „Sie sollten endlich einmal erwachsen werden“, höhnte er am Wochenende nach Williams Attacke. „Die jungen Prinzen werden von den Höflingen manipuliert, genau so, wie Diana manipuliert wurde.“ Diana sei die „Ikone des Jahrhunderts“, rechtfertigt sich Burrell, der heute einen Blumenladen in Chesire betreibt. Das Publikum verlange nach der Wahrheit über die Prinzessin. Schon für den Vorabdruck seiner Memoiren hat der Butler vom „Daily Mirror“ 300 000 Pfund kassiert. Millionen werden folgen, wenn das Buch in aller Welt zum Bestseller wird.

Doch was sind seine Motive? Geldgier? Verletzte Ehre, das Gefühl, missbraucht und übergangen zu sein? Oder gar der hehre Zweck, als „Dianas einzig glaubwürdiger Historiker“ ihr Gedächtnis zu wahren? Sicher ist, dass es seit Burrells Veröffentlichungen wieder Kritik an der britischen Monarchie und den Royals hagelt. Sogar der frühere Imageberater von Prinz Charles, Mark Bolland, zog jetzt vom Leder. „Die Berater der Königin sind zu alt und zu verknöchert“, sagt er. Bolland meint aber auch zu wissen, wie der Königsfamilie noch zu helfen ist: Charles Beziehung zu Camilla Parker-Bowles sollte öffentlich geklärt werden. Am Ende doch noch eine Hochzeit?

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