Welt : Der Fall der Komapatientin Terri Schiavo

Seit 15 Jahren liegt die US-Amerikanerin Terri Schiavo im Wachkoma. Während ihr Mann sagt, seine Frau sei gegen die künstliche Verlängerung ihres Lebens, kämpfen die Eltern bis zur höchsten Instanz gegen das Sterben ihrer Tochter. Eine Chronologie des jahrelangen Tauziehens:

25. Februar 1990:

Terri Schiavo (26) erleidet auf Grund einer Stoffwechselstörung einen Herzstillstand und fällt ins Wachkoma.

29. Juli 1993: Die Eltern Mary und Bob Schindler wollen Ehemann Michael Schiavo die Vormundschaft für seine Frau aberkennen lassen. Die Klage wird abgewiesen.

Mai 1998: Michael Schiavo will seine Frau sterben lassen und stellt vor Gericht erstmals Antrag auf Erlaubnis zur Entfernung des Nahrungsschlauches. Die Eltern legen Einspruch ein.

11. Februar 2000: Bezirksrichter George Greer gibt Schiavos Antrag auf Einstellung der künstlichen Ernährung statt.

23. April 2001: Der Oberste Gerichtshof in Washington lehnt einen Antrag der Eltern ab sich einzuschalten.

24. April 2001: Die künstliche Ernährung wird eingestellt, aber per Gerichtsbeschluss zwei Tage später wieder aufgenommen.

22. November 2002: Nach einem Urteil von Richter Greer darf der Nahrungsschlauch erneut entfernt werden. Ein medizinisches Gutachten hatte ergeben, dass es für Terri keine Heilungschancen gibt.

6. Juni 2003: Ein Berufungsgericht bestätigt Greers Entscheidung.

15. Oktober 2003: Terris künstliche Ernährung wird zum zweiten Mal eingestellt.

21. Oktober 2003: Der Kongress in Florida erlässt das Gesetz «Lex Terri». Damit kann Gouverneur Jeb Bush die Wiederaufnahme der Nahrungszufuhr anordnen.

22. Oktober 2003: Nach sechseinhalb Tagen wird die Ernährung wieder aufgenommen.

23. September 2004: Der Oberste Gerichtshof in Florida erklärt «Lex Terri» für verfassungswidrig. Der Einspruch des Gouverneurs dagegen wird vom Obersten US-Gericht später abgewiesen.

25. Februar 2005: Genau 15 Jahre nach Terris Herzattacke erlaubt Richter Greer erneut den Stopp der künstlichen Ernährung.

12. März 2005: Ein kalifornischer Geschäftsmann bietet dem Ehemann eine Million Dollar für Terris Weiterleben an. Schiavo lehnt ab.

18. März 2005: Der Nahrungsschlauch der inzwischen 41-Jährigen wird entfernt. Ein Versuch des US-Abgeordnetenhauses, den Schritt durch eine Vorladung der Kranken zu einer Anhörung über ihre eigene Lage rückgängig zu machen, wird von Greer zurückgewiesen.

21. März 2005: Im Eilverfahren verabschiedet der Kongress in Washington ein Gesetz, das den Eltern das Recht einräumt, nach den staatlichen Gerichten auch Bundesgerichte einzuschalten. Präsident George W. Bush kommt eigens aus Texas nach Washington zurück, um das Gesetz mitten in der Nacht zu unterschreiben.

22. März 2005: Ein Bundesrichter in Florida lehnt die Wiederaufnahme von Terri Schiavos künstlicher Ernährung ab. Die Eltern gehen in Berufung.

23. März 2005: Das Bundesberufungsgericht in Atlanta (Georgia) bestätigt die Entscheidung des niedrigeren Gerichts. Im Senat des Bundesstaates Florida scheitert ein Gesetz, das es verboten hätte, Komapatienten Nahrung und Wasser vorzuenthalten, die diesen Wunsch nicht zuvor schriftlich festgelegt hatten. Die Behörden Floridas beantragen vor Gericht das Sorgerecht für Terri Schiavo.

24. März 2005: Auch der Oberste US-Gerichtshof in Washington weigert sich, die Ernährung auf Antrag der Eltern wieder anzuordnen. In Florida lehnt es Bezirksrichter Greer ab, die Komapatientin in staatliche Obhut zu geben.

25. März 2005: Die Eltern Schiavos ziehen mit angeblich neuen Hinweisen auf eine Verbesserung des Zustands der Patientin erneut vor den Bundesrichter in Florida. Der weist ihren Eilantrag auf Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung wieder ab. Die Eltern ziehen erneut vor das Bundesberufungsgericht in Atlanta.

26. März 2005: Das Bundesberufungsgericht weist den Widerspruch der Eltern ebenfalls ab. Bob und Mary Schindler wenden sich wieder an Bezirksrichter George Greer - erfolglos. Auch das oberste Gericht von Florida lehnt einen neuen Dringlichkeitsantrag ab. ()

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