Welt : Der Fall Julia: Mutter täuschte aus Verzweiflung Entführung vor

Die drei Wochen alte Julia, die am Freitag angeblich aus einem Auto in Hürth bei Köln geraubt worden war, ist in Wirklichkeit in der Obhut ihrer Eltern eines natürlichen Todes gestorben. Die angebliche Kindesentziehung entpuppte sich als Märchen der möglicherweise verwirrten 34-jährigen Mutter, die offenbar unter Schuldgefühlen litt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag in Köln mit.

Laut Obduktion ist das Mädchen am "plötzlichen Kindstod" gestorben. "Das Kind war am Freitag nach dem Mittagsschlaf nicht mehr aufgewacht", sagte Kriminalhauptkommissar Peter Schnieders. Wenige Stunden später alarmierte die Mutter die Polizei wegen des angeblichen Kindesraubs und löste große Suchaktionen aus. Ermittelt werde nun wegen Vortäuschung einer Straftat, hieß es.

Die Mutter hatte das tote Kind nach Angaben der Behörden zunächst in einen Gefrier-Beutel und dann in einen Rucksack gesteckt. Schließlich brachte sie den Rucksack in ein nahes Gebüsch.

Der 38 Jahre alte Vater wusste nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei von nichts und glaubte selber an die Kindesentziehung. Als sich seine Frau ihm am Samstag offenbarte, rief der Mann die Polizei an. "Es muss etwas gesagt werden", erklärte er den Beamten am Telefon. Die Ermittler fanden dann das tote Baby im Wohnzimmer der Eltern auf dem Boden. "Es gibt Menschen, die in Ausnahmesituationen Dinge tun, an die sie sich nachher nicht mehr erinnern", sagte ein Polizeisprecher.

Die Mutter hatte am Freitag ihr Auto auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums abgestellt und behauptet, das Baby sei in einem unbeobachteten Moment aus dem Wagen geraubt worden.

Unter Leitung einer 20-köpfigen Sonderkommission begannen dann die Ermittlungen. Starke Polizeikräfte durchsuchten das Gelände. Am Samstag verteilten die Beamten in dem Einkaufszentrum rund 1000 Handzettel an die Kunden, um auf den Fall aufmerksam zu machen und um auf etwaige Zeugen zu stoßen.

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