Welt : Der Feind, der aus der Tiefe kommt

Zunächst sieht sie niemand. Plötzlich baut sich eine zehn Meter hohe Wasserwand auf. Tsunamis – was sie sind, woher sie kommen

Andreas Oswald

Wer betroffen ist.

Die Flutwelle hat alle Küsten des Golfs von Bengalen im weitesten Sinne getroffen (Grafik). Das Gebiet wird westlich begrenzt von den Malediven, Sri Lanka und der indischen Ostküste. Des Weiteren sind getroffen: Burma, sowie die thailändische Westküste an der großen schmalen Landverbindung, die bis weit nach Süden Richtung Malaysia reicht, schließlich die südwestlich davon gelegene indonesische Insel Sumatra. Besonders betroffen sind mehrere thailändische Ferieninseln mit tausenden deutschen Urlaubern. Die Zahl der Toten ist völlig unklar.

Was ein Tsunami ist.

Es ist eine gewaltige Welle, die durch Wasserverdrängung durch ein Seebeben oder Vulkanausbruch am Meeresgrund ausgelöst wird, oder durch Meteoriteneinschlag. Ein Tsunami ist etwas anderes als eine so genannte Monsterwelle, wie sie in Literatur und Film in den letzten Jahren gewürdigt wurde. Diese entstanden durch ganz spezielle meteorologische und klimatologische Konstellationen.

Woher der Nam e kommt.

Tsunami kommt aus dem Japanischen und heißt „große Welle im Hafen“. Früher dachten die Fischer, die vom Fang kamen und ihre Dörfer völlig zerstört vorfanden, eine Welle aus dem Hafen habe die Zerstörungen angerichtet. Sie selbst hatten in ihren Booten die Tsunami-Welle wegen ihres eigenartigen Charakters nicht bemerken können.

Was das Charakteristische eines Tsunamis ist.

Ein Tsunami ist eine Art gewaltige Wasserverdrängung innerhalb des Meeres, die zunächst unsichtbar ist. Es handelt sich um eine Welle unterhalb der Wasseroberfläche, die den Wassersspiegel allenfalls um einige Zentimeter hebt, weshalb Boote oder Schiffe nichts bemerken. Wetterbedingte Wellen dagegen bilden Wellen an der Wasseroberfläche. Ein Tsunami geht bis auf den Meeresgrund. Er hat eine Geschwindigkeit von bis zu 1000 Kilometer in der Stunde und kann ganze Ozeane innerhalb weniger Stunden – schneller als Flugzeuge – zurücklegen. Er verliert dabei kaum an Gewalt. Im Gegenteil: Unebenheiten am Meeresgrund können ihn noch beschleunigen.

Was das Katastrophale eines Tsunamis ist.

Erreicht die Welle Küstengebiet, schiebt der aufsteigende Grund die Welle nach oben. Sie kann leicht sechs Meter Höhe erreichen, in häufigen Fällen auch zehn Meter. Die Welle verschluckt oftmals ganze Küstendörfer und reißt sie hinaus ins Meer. In Berichten aus dem 17. Jahrhundert ist gar von einer 60 Meter hohen Welle die Rede.

Wo Tsunamis vorkommen.

Es gibt sie vor allem in von Seebeben stark gefährdeten Gebieten, vor allem im Pazifik. China und Japan sind regelmäßig Opfer von Tsunamis. Aber auch die Philippinen, das jetzt betroffene Gebiet oder Hawaii werden regelmäßig heimgesucht. Im Durchschnitt treten zwei zerstörerische Tsunamis pro Jahr auf.

Kann man sich schützen?

Seebeben selbst können nicht vorhergesagt werden. Sobald aber ein Seebeben der Stärke 7 oder mehr registriert wird, geben die Behörden aller potenziell betroffenen Länder sofort Tsunami-Warnungen heraus. Die Menschen haben dann ein paar Minuten, in selteneren Fällen eine Stunde Zeit, höher gelegene Gebiete aufzusuchen. Da oft irgendwo Seebeben gemeldet werden und relativ selten wirklich zerstörerische Tsunamis auftreten, haben die Warnungen an Wirksamkeit verloren. Im vorliegenden Fall war das Beben zu nah an Sumatra und Phuket dran, als dass rechtzeitig hätte gewarnt werden können. Die Welle brauchte nur wenige Minuten bis dorthin. Selbst die entfernten Malediven wurden schnell erreicht.

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