Welt : Der FFK-Verband wird 50 - und leidet unter Mitgliederschwund

Jürgen Voges

Am gestrigen Freitag feierte der Deutsche Verband für Freikörperkultur (DFK) in Hannover sein 50. Jubiläum. Auch wenn es nahe liegend wäre - nackte Menschen sollten bei der Feier nicht zu sehen sein. "Da haben zwar gleich mehrere Fernsehteams angefragt, ob wir bei unserer Feier auch nackt auftreten", sagt Vizepräsident Wolfgang Weinreich. Doch das sei ja wohl weder bei der Rede des niedersächsischen Innenministers Heiner Bartling im hannoverschen Rathaus, noch bei dem anschließenden Beisammensein im Kreise der Verbandsmitglieder angebracht.

Die Dachorganisation der deutschen Naturisten - wie sich die Anhänger des textilfreien Sports und Badens selbst nennen - wurde am 5. November 1949 in Kassel als "Deutscher Bund für Freikörperkultur" neu gegründet. 16 Jahre zuvor hatten die Nationalsozialisten die FKK-Bewegung verboten. Heute ist die Freikörperkultur nach den Worten des Vizepräsidenten eine Sportbewegung: Auf den Geländen der 160 Vereine würden die Nudisten schwimmen, Tischtennis spielen und Rasensportarten treiben. 65 000 Mitglieder hat der Verein.

Entstanden ist die deutsche Freikörperkultur schon im ausgehenden 19. Jahrhundert als Teil der Lebensreformbewegung. Diese "Nacktkultur", wie sie damals genannt wurde, sieht Weinreich als "Gegenbewegung zur Verstädterung, gegen das Hausen in Mietskasernen, und gegen die gänzliche Vereinnahmung der Menschen durch die Industrialisierung". Vereinssatzungen verpflichteten den FKKler schon in den 20er Jahren, "die Natur zu schützen und zu bewahren, wo er nur kann". Die Freikörperkultur sei die erste Umweltschutz- und Alternativbewegung gewesen, sagt Weinreich stolz. Nach dem Verbot unter den Nationalsozialisten dauerte es vier Jahre, bis zunächst 20 FKK-Vereine im Jahr 1949 in Kassel einen neuen Bundesverband gründeten. Zum Teil hatten sie zuvor ihre beschlagnahmten Gelände zurückerhalten.

Heute leiden die Nudisten arg unter Mitgliederschwund. Der Nachwuchs bleibt aus. Zwar hat der DFK nach der deutschen Vereinigung im Osten 5000 neue FKKler gewonnen, unterm Strich allerdings ist die Zahl der organisierten Naturisten in Deutschland zwischen 1988 und 1998 um 16 Prozent gesunken. Um so populärer ist textilfreies Baden außerhalb der Vereine, das in der DDR üblich war. Etwa zehn Millionen Bundesbürger, so schätzt Wolfgang Weinreich, baden zumindest einmal jährlich in nackt.

Mit Vorurteilen haben FKK-Anhänger unterdessen heute noch zu kämpfen. Wenn auf den Mitgliederzeitschriften des Verbands regelmäßig nackte Männer, Frauen und manchmal auch Kinder abgebildet werden, so hat dies aber nach den Worten des DFK-Vizepräsidenten "ganz und gar nichts mit Erotik oder Sexualität zu tun". Er betont: "Seine Sexualität lebt der FKKler, wie jeder andere Mensch auch, zu Hause in seinem Intimbereich."

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