• Der Film meines Lebens: Architektin Gesine Weinmiller über "Das Leben ist schön"

Welt : Der Film meines Lebens: Architektin Gesine Weinmiller über "Das Leben ist schön"

Johanna Adorján

"Das Leben ist schön" erzählt eine italienische Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg. Guido, gespielt von Roberto Benigni, wird mit seinem Sohn ins KZ deportiert. Damit der Junge nicht merkt, in welcher Lebensgefahr sie sich befinden, tut der Vater so, als sei das ganze nur ein großes seltsames Spiel, bei dem es darum geht, Punkte zu sammeln. Für all die Entbehrungen, die man zu erleiden hat, gibt es einen Punkt, und wenn man genug Punkte beisammen hat, könne man, so sagt der Vater, einen Panzer gewinnen. Der Vater überlebt dieses "Spiel" nicht, aber seinen Sohn kann er retten. Er trägt ihm auf, sich zu verstecken, bis kein Mensch mehr zu hören ist. Als der Sohn schließlich aus seinem Versteck tritt, fährt ein amerikanischer Panzer vorbei, der ihn mitnimmt. In der Schlange der befreiten KZ-Insassen entdeckt der Junge seine Mutter. "Wir haben gewonnen!", schreit er überglücklich, als er ihr in die Arme fällt. Ein feinsinniger Film, der den Schrecken des Holocaust als Metapher zeigt. Ich denke, nur so ist das überhaupt möglich. Jeder Versuch, ihn realistisch darzustellen, ausgemergelte Körper zu zeigen, Leichenberge, wird sofort voyeuristisch. Es gab Kritiker, die Benigni den Humor, mit dem er das Thema anging, die Leichtigkeit vorgeworfen haben. Man darf diesen Film nicht als Darstellung des Holocaust verstehen, sonst ist das in der Tat furchtbar peinlich. Ich habe mich in meiner Arbeit viele Jahre sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, habe am Wettbewerb um das Holocaust-Mahnmal teilgenommen - wie es Roberto Benigni geglückt ist, den richtigen Ton zu treffen, das hat mich schon sehr beeindruckt.

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