Welt : Der Film meines Lebens: Astrologe Winfrid Noe über "Dornenvögel"

Johanna Adorján

Eigentlich ist der Film ganz wahnsinnig spießig, aber "Die Dornenvögel" ist nun mal mein absoluter Leib- und Magenfilm. Ich habe mich während einer Krisenzeit in meinem Leben damit beschäftigt, nach einer schweren Operation war ich fast ein Jahr lang ruhig gestellt. Man kann noch so viele Vorstellungen davon haben, wie alles sein soll - das Leben spielt dann doch vollkommen anders.

Im Film zeigt sich das vor allem in der Figur des Pater Ralph, gespielt von Richard Chamberlain, die mich immer sehr fasziniert hat. Hin- und hergerissen zwischen der strengen Welt der Doktrin, seinem Dasein als katholischem Priester, und dem Leben, der lebendigen Wirklichkeit, die ihre Verkörperung in der kleinen Meggie findet. Im Laufe des Films sieht man sie von einem kleinen Mädchen heranwachsen zu einer erwachsenen Frau. Die abstrakte Vorstellung wird im Film verkörpert durch das Zölibat. Doch die lebendige Wirklichkeit ist stärker: Pater Ralph und Meggie haben ein Kind zusammen, einen in schlechtem Gewissen gezeugten Sohn. Hier kommt Symbol Pluto zum Ausdruck, also Stirb und Werde. Die totale Zerstörung des Alten, damit Neues geboren werden kann. Das ist wichtig, denn die abstrakte Vorstellung ist das, was unsere Seele daran hindert zu wachsen.

Später, als junger Mann, kommt der Sohn dann ums Leben, als er selbst die Priesterweihe erhalten hat. Gedanken und Vorstellungen können das Leben nicht nur prägen, sondern es auch auslöschen. Am Ende des Films stirbt der Pater, mittlerweile weit über 80 Jahre alt, in Meggies Beisein. Ihre Liebe ist letztlich unerfüllt geblieben.

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