Welt : Der Film meines Lebens: Diseuse Romy Haag über "Die Teufel"

Johanna Adorján

Mein Lieblingsfilm ist ein Anti-Religionsfilm, eine Parodie auf die katholische Kirche: "Die Teufel" (1971) von Ken Russell. Ich mag eigentlich alle Filme dieses Regisseurs, vielleicht, weil ich als Bühnenmensch immer so sehr auf die Inszenierung achte, auf Kameraführung, Licht und Ausstattung. Und Russell ist in diesen Dingen einfach genial. Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Russell-Erlebnis. In den 70er Jahren war das, ich hatte damals hier in Berlin mein eigenes kleines Theater, da habe ich "Tommy" gesehen, die geniale Verfilmung der Rock-Oper von The Who. Ich war so begeistert, dass ich das Kant-Kino gleich mehrmals hintereinander gemietet habe, damit alle meine Mitarbeiter und Freunde sich ihn anschauen.

Aber eigentlich wollte ich ja hier von "Die Teufel" erzählen. Der Film basiert auf einem Roman von Aldous Huxley und spielt im 17. Jahrhundert in einem Kloster in Frankreich. Am Rande kriegt man was mit vom Leben von Louis XV und Richelieu, aber die Haupthandlung spielt sich im Inneren der Klostermauern ab. Oliver Reed spielt den Bischof, und alle Nonnen sind scharf auf ihn, allen voran die Haupt-Äbtin, Vanessa Redgrave. Der Film beleuchtet auf äußerst amüsante Weise die Mentalität der katholischen Kirche, wie sie sich also nach außen hin verkauft, und wie es in Wahrheit hinter den Klostermauern abgeht. Ein lustiger und perverser Film. Und das Design! Fabelhaft. Eine Fantasiewelt, aber so kitschig dargestellt, dass sie schon wieder real ist. Ich denke immer, wenn ich eines Tages selber Filme machen würde, dann müssten es solche wie die von Ken Russell sein. Wirklich, besser könnte ich es selbst nicht.

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