Welt : Der Film meines Lebens: DJ Marusha über "Blade Runner"

Johanna Adorján

Ich war noch ziemlich jung, als ich "Blade Runner" zum ersten Mal gesehen habe, 14 vielleicht, und ich weiß noch genau, wie benommen ich aus dem Kino kam. Der Film, Science Fiction, malt ein ziemlich düsteres Bild von der Zukunft, und da man das in den 80er Jahren ja ohnehin hatte - Aufrüstung, Waldsterben, Atomkraft - war ich regelrecht in Endzeitstimmung. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich realisiert habe, dass es ja nur ein Film war, und dass ein dritter Weltkrieg in Wahrheit nicht ganz so aktuell ist.

Für diejenigen, die "Blade Runner" nicht kennen, würde ich gerne die Handlung nacherzählen, aber leider geht das nicht. Es würde zu lange dauern und dem Film auch nicht gerecht werden können. Sagen wir einfach, es ist eine sozialpädagogische Studie, eine Warnung an die Menschheit, auch eine Liebesgeschichte. Ein Film, der einen tief berührt. Bild und Ton sind wichtiger als die Dialoge, "Blade Runner" spricht direkt die Sinne an. Was zum einen an der großartigen Musik von Vangelis liegt. Sehr melancholisch ist die. Ich höre den Soundtrack oft zu Hause. Er spiegelt eine Traurigkeit wider, die ich schon in mir habe, auch wenn ich eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch bin. Dann regnet es den ganzen Film hindurch, ohne Pause, was einem natürlich auch aufs Gemüt schlägt. Und dann ist da die fiktive Vorstellung einer Zukunft, die mittlerweile zum Teil Realität geworden ist. Zum Beispiel der Marktplatz mit den vielen Leucht-Reklamen. Ich bin mal in Tokio auf einem Platz gelandet, der genauso war. Im ersten Augenblick dachte ich, hoppla, jetzt bin ich in "Blade Runner" gelandet. Im zweiten: toller Film.

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