• Der Film meines Lebens: Frankreich-Korrespondentin Sonia Mikich (ARD) über "Snatch"

Welt : Der Film meines Lebens: Frankreich-Korrespondentin Sonia Mikich (ARD) über "Snatch"

Johanna Adorján.

Ich gehe ausgesprochen gerne ins Kino und habe so bestimmt 20 Lieblingsfilme aller Zeiten. "High Noon" ist dabei, "Vom Winde verweht" ... Der jüngste ist "Snatch" von Madonna-Ehemann Guy Ritchie. Seinen ersten Film "Bube, Dame, König, Gras" habe ich auch schon gemocht, der war noch etwas roher, seither hat Ritchie seinen Stil perfektioniert: diese Mischung aus abartigem Humor und cooler Großstadt/Gangster-Atmosphäre. Mich hat beeindruckt, mit welch großer Liebe zum Detail Ritchie zur Sache gegangen ist. Da gibt es beispielsweise eine Gruppe jüdischer Diamantenhändler, deren Handy-Klingelton die Melodie von Hava Nagila Hava ist, diesem berühmten israelischen Pionierlied. Da bin ich schon mal umgefallen vor Lachen. Urkomisch auch Brad Pitt, dieser unglaubliche Schönling, in der Rolle eines nahezu debilen Boxers. Er spielt einen Zigeuner, der sich nur für zwei Sachen interessiert: Karawane und seine Mama. Das sind auch die beiden einzigen Dinge, die man versteht, wenn er spricht: Er nuschelt so stark, dass man ansonsten kein Wort erkennen kann. Dann gibt es diesen scheußlichen Killerhund, Daisy, der quietscht statt zu bellen, seit er einmal ein Gummispielzeug verschluckt hat. Mir hat gefallen, wie multikulturell der Film ist. Und alle sind Schurken. Ob das nun die russische Mafia ist, jüdische Gangster oder englische Ganoven, alle sind sie ganz furchtbar - auch ganz furchtbar interessant. Eine wunderbar bösartige Komödie. Filmtechnisch außerdem sagenhaft gut: Einmal ist ein Transatlantikflug auf eine Länge von zwei Sekunden geschnitten, vier Halbsekunden-Schnitte, die jeweils eine ganze Story erzählen. Brillant.

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