• Der Film meines Lebens: Galeristin Esther Schipper über "Spiel mir das Lied vom Tod"

Welt : Der Film meines Lebens: Galeristin Esther Schipper über "Spiel mir das Lied vom Tod"

Johanna Adorján

Vielleicht war ich ein bisschen jung, als ich "Spiel mir das Lied vom Tod" das erste Mal gesehen habe, aber ich war total geplättet. Genau so hatte ich mir erwachsenes Kino vorgestellt: Liebe, Hass, Pathos, ein Happy End, das aber kein richtiges ist...

Der Film spielt im Wilden Westen. In der ersten Szene sieht man, wie ein Vater mit seinen kleinen Kindern mitten in der Wüste erschossen wird. In der zweiten Szene taucht Claudia Cardinale auf - mit einem Dekolleté, wie man sie später nie wieder gesehen hat. Sie, eine Nutte aus New Orleans, wollte den Witwer heiraten, gemeinsam mit ihm und seinen Kindern ein neues Leben anfangen. Nach und nach klärt sich, warum es zu dem Mord kam. Da gibt es den fiesen Eisenbahnbesitzer, der leukämiekrank im Korsett steckt. Es gibt den Bösewicht, Henry Fonda. Einen liebevollen Schurken namens Cheyenne. Und es gibt einen Mann, der keinen Namen hat, aber eine Mundharmonika, und eine Geschichte: Als er ein kleiner Junge war, wurde sein Vater auf seinen Schultern stehend, erhängt; er musste Mundharmonika spielen bis er nicht mehr konnte, als er stolperte, war der Vater tot. Mit dieser Schuld muss er leben: ein harter Kerl - Charles Bronson -, innerlich kaputt, dennoch gerecht. Die großartige Filmmusik von Ennio Morricone kennt ja wohl jeder, diese einfache klagende Mundharmonika. Klar, ist das alles Fake, Kitsch, Technicolor - aber es sitzt. Die richtige Portion Sex. Die richtige Portion Kitsch. Die richtige Portion Boshaftigkeit. Man kommt aus dem Kino und hat das Gefühl, man hätte gerade eine Reise gemacht und zum ersten Mal in seinem Leben einen richtigen Sonnenuntergang gesehen.

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