• Der Film meines Lebens: Hobbythek-Moderator Jean Pütz über "Clockwerk Orange"

Welt : Der Film meines Lebens: Hobbythek-Moderator Jean Pütz über "Clockwerk Orange"

Johanna Adorján

Ein großer Kinogänger bin ich nun nicht gerade. Das letzte Mal war ich, es ist eine Ewigkeit her, bei der Premiere von "Jurassic Park" in Berlin, und das auch nur, weil ich zufällig in der Stadt war. Unmöglicher Film! Kleinen Kindern so viel Brutalität vorzusetzen. Sogenannte Experten sagen ja immer, das mache nichts - Gewalt in Filmen wirke sich nicht aus auf die Psyche der Zuschauer. Da bin ich anderer Meinung. Für mich sind diese sinnlos brutalen Action-Filme mitverantwortlich für die allgemeine Brutalisierung der Welt. Es lässt sich doch nicht leugnen, dass gerade Jugendliche durch sie angeregt und beeinflusst werden. Aber Gewalt im Kino muss nicht immer falsch sind. Kubricks "Clockwerk Orange" zum Beispiel. Gleich zu Beginn sehen wir eine äußerst brutale Szene, in der sich ein paar rechtslastige Idioten ganz stark vorkommen. Beim Zuschauer werden die niederen Instinkte angesprochen. Zunächst. Denn: Im weiteren Verlauf des Films zeigt Kubrick, dass Gewalt keine Lebensform sein kann. Er stellt die Gewalttäter bloß, schlägt ihnen ihre eigenen Waffen um die Ohren, er beschämt sie. Ich bin ein großer Fan von Kubrick. Früher, als ich noch öfter ins Kino ging, habe ich alle seine Filme gesehen. Mich beeindruckt seine Perfektion, seine Liebe zum Detail, seine Hintergründigkeit. Szenen sind bei ihm nicht bloßer Selbstzweck, sie haben eine tiefere Botschaft, und die zu entschlüsseln, das macht den großen Reiz seiner Filme aus. Seinen letzten Film, "Eyes Wide Shut", habe ich noch nicht gesehen. Ich habe gehört, er sei gut. Vielleicht komme ich ja eines Tages doch wieder mal ins Kino - für einen Kubrick lohnt es sicher...

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