Welt : Der Film meines Lebens: Künstler Thomas Demand über "The Parallax View"

Johanna Adorján

Die Hauptrolle in Alan Pakulas "The Parallax View - Zeuge einer Verschwörung" (1974) spielt Warren Beatty, zweiter Hauptdarsteller ist die moderne Architektur der späten 60er Jahre: Große Gebäude, Foyers, Versammlungshallen, anonyme Räume, in denen ein Mensch fast verloren geht. Die Geschichte beginnt auf dem Fernsehturm in Seattle. Dort wird eine politische Veranstaltung abgehalten, man sieht den Kandidaten, die Journalisten - plötzlich ein Schuss: der Kandidat ist erschossen worden. Schnitt.

Drei Jahre später sehen wir zwei der damals anwesenden Journalisten wieder: Warren Beatty und eine Kollegin. Sie habe Angst um ihr Leben, sagt sie, die meisten der Kollegen von damals seien heute tot. Er beruhigt sie, findet, sie übertreibt. Am nächsten Tag ist sie tot. Nun beginnt auch Beatty an eine Verschwörungstheorie zu glauben. Hinter den Morden vermutet er eine Geheimpolizei, die ihre Mitglieder abrichtet, bestimmte Leute umzubringen. Unter falscher Identität lässt er sich einschleusen und soll bald einen Auftrag ausführen. In einer riesigen Convention Hall soll ein Politiker erschossen werden. Während der Probe sieht man Beatty ganz oben im Tragwerk stehen, unten in der Halle Tische, eine Bühne. In einem Golfwagen kommt der Kandidat reingefahren, sagt ein paar Worte - als er wieder rausfährt, fällt ein Schuss, von oben aus dem Gerüst, doch Beatty war es nicht. Die ganze Szene ungeschnitten: Beatty oben, der Schuss, unten der Wagen rammt die Tische, jemand schreit: "I can see him!" Beatty fängt an zu rennen, merkt, dass er in eine Falle geraten ist - zu spät, auch er wird erschossen. Ein wunderbarer, sehr moderner Film.

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