Welt : Der Film meines Lebens: Künstler Wolfgang Flatz über "Clockwerk Orange"

Johanna Adorján

Ich bezeichne mich als Cineasten, bin aufgewachsen mit dem Werkstattkino in München, dem ersten Programmkino Deutschlands, später war dann sein Berliner Ableger, das Sputnik wichtig. Unter all den vielen Filmen, die ich gesehen habe, hat mich Stanley Kubricks "Clockwerk Orange" (1971) am meisten beeindruckt. Von der Ausstattung her ist es ein sehr futuristischer Film, in seiner Aussage überaus negativ: ein symptomatischer Film für die 70er Jahre. Mit 20 Jahren habe ich ihn zum ersten Mal gesehen: ein ästhetischer Schock war das für mich jungen Landmenschen. Ein Schock auch auf der Ebene der Aggression. Kein Film hat mich beeinflusst wie dieser - auch in meiner Arbeit. Wie funktioniert der Einzelne? Wie verhält sich die Gesellschaft dazu? Ethik und Moral. Die Schattenseiten der Gesellschaft, die sonst so gerne unter den Tisch gekehrt werden. Und dann geht es natürlich um Aggression und Gewalt, ein Hauptthema meiner Arbeit der letzten 30 Jahre.

Im Mittelpunkt des Films steht Alex, ein junger Mann, der durch Erziehung und Umwelt negativ konditioniert wurde, und das in einem solchen Ausmaß, dass es politische Dimensionen annimmt. Die Gesellschaft beschließt, an ihm ein Exempel zu statuieren. Es soll gezeigt werden, dass man aus einem schlechten Menschen wieder einen guten machen kann. Vordergründig gelingt das auch, nach einer Art Gehirnwäsche, u.a. unter Zuhilfenahme von Beethovens Neunter, wird er schließlich als geheilt entlassen. Doch am Schluss fällt er wieder in seine alten Verhaltensmuster zurück, am Ende ist er wieder gewalttätig. Kein Happy End, sondern Hoffnungslosigkeit.

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