• Der Film meines Lebens: Kurator Klaus Biesenbach über "Eine Flamme in meinem Herzen"

Welt : Der Film meines Lebens: Kurator Klaus Biesenbach über "Eine Flamme in meinem Herzen"

Johanna Adorján

"Eine Flamme in meinem Herzen" von Alain Tanner (1987) handelt von einer erfolgreichen Schauspielerin, einer reiferen schönen Frau mit roten Haaren, die einen jungen Lover hat, einen 23-jährigen Sportmacho, von dem sie so ein bisschen gelangweilt ist. Eines Nachts sitzt sie, hohe Pumps und Leopardenmantel, eine auffällige Erscheinung, in der Metro, und ein Typ guckt sie an. Er ist vielleicht zwei Jahre älter als sie. Als sie aussteigt, geht er ihr nach, folgt ihr bis in ihre Wohnung, die Tür hat sie offen gelassen, die beiden lieben sich. Es wird eine obsessive Beziehung, sie können nicht mehr ohne einander sein. Eines Tages muss er verreisen. Man sieht sie im Theater, sie kann sich überhaupt nicht konzentrieren. In der nächsten Szene sitzt sie Chips essend vor dem Telefon und wartet auf seinen Anruf. Nichts. Schließlich schneidet sie das Kabel durch, weil sie es nicht mehr erträgt. Als er nach zwei Wochen wiederkommt, ist sie vollkommen verwahrlost, hat alles aufgegeben. Er muss ihr versprechen, nie wieder weg zu sein. Nun ist alles wunderbar, er ist wie eine Droge für sie, andersherum genauso. Als er nach Ägypten muss, nimmt er sie mit. Zu einem Meeting muss er jedoch allein. Man sieht sie im Hotel, sie hält es dort nicht aus, in einem eleganten Sommerkleid läuft sie aus der Stadt, aus der Nacht, eine Getriebene. Es brennt in ihr, immerzu muss sie gehen. Am Stadtrand von Kairo steigt sie auf einen Müllhügel. Zieht ihre Pumps aus, die Sonne geht auf. Dass man einen Menschen so in sein Leben lässt, dass man ohne ihn nicht mehr sein kann - als ich den Film mit Anfang 20 zum ersten Mal gesehen habe, hat mich diese Vorstellung umgehauen.

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