Welt : Der Film meines Lebens: Moderatorin Barbara Schöneberger über "Amadeus"

Johanna Adorján

Ich habe eine Schwäche für gepuderte Perücken, aufgeklebte Schönheitsflecke, den Klang von Pferdekutschen auf Kopfsteinpflaster - die Zeit also, in der "Amadeus" spielt. Beste Szene: Konstanze geht zu Salieri und zeigt ihm, was ihr Mann, was Mozart komponiert hat. Salieri, der selbst Komponist ist, ein guter, aber nicht der beste, blättert die Noten durch, zunächst etwas von oben herab, dann zusehends erschüttert: Nie zuvor hat er solch schöne Musik gesehen. Was er gerade liest, wird angespielt. Der langsame Satz aus dem Klarinettenkonzert. Für mich persönlich das Schönste, was Mozart geschrieben hat. Mein Vater ist Klarinettist - ich kenne es in und auswendig.

"Amadeus" ist ein Film über Genie und Mittelmaß. Salieri spricht immer davon. Die Tragödie seines Lebens. In der ersten Szene sieht man ihn als alten Mann in der Irrenanstalt. Er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten, um seinem jämmerlichen Leben ein Ende zu machen. Ein junger Pfarrer kümmert sich um ihn. Erfährt, dass Salieri Komponist ist. Bittet ihn, etwas vorzuspielen. Salieri setzt sich ans Klavier. "Tut mir Leid", sagt der Pfarrer immer wieder, "das kenne ich nicht." Irgendwann spielt Salieri dann ein paar Takte von Mozart. "Das kenne ich!", ruft der Pfarrer sofort hocherfeut. "Sehen Sie," sagt Salieri, "so geht das mein ganzes Leben." Ich habe den Film ungefähr siebenmal gesehen und war jedesmal total ergriffen. Wie Mozart zuletzt todkrank im Bett liegt und, zu schwach zum Schreiben, Salieri das Requiem diktiert... Regen, grau, Wien, Armengrab - das Ende ist schon sehr traurig. Toller Film! Auch wenn mir persönlich eigentlich Rachmaninow viel lieber ist...

0 Kommentare

Neuester Kommentar