• Der Film meines Lebens: Moderatorin Bettina Böttinger über "Die Ferien des Monsieur Hulot"

Welt : Der Film meines Lebens: Moderatorin Bettina Böttinger über "Die Ferien des Monsieur Hulot"

Johanna Adorján

Ich war etwa elf Jahre alt, als ich "Die Ferien des Monsieur Hulot" von Jacques Tati zum ersten Mal gesehen habe, und ich fand ihn schon damals zum Schreien komisch. Diesen Monsieur Hulot mit seinen zu kurzen Hosen und Ringelsocken und seinem ganz speziellen, nach vorne gestreckten, federnden Gang. Ihm passiert jedes Missgeschick, das einem nur passieren kann. Wie er beispielsweise einmal mit seinem lauten Knattermobil in eine Beerdigung hineingerät. Die ganze Komikpalette ist abgegraben, reinster Slapstick, und doch ist es eigentlich ein sehr ruhiger Film. Ein Film, in dem die Geräuschkulisse eine wichtige Rolle spielt: Die Hoteldrehtür, die immer das gleiche Geräusch macht; das Meeresrauschen; die Gesprächsfetzen, die wie aus der Ferne zum Strand herüberwehen. Das hat alles etwas sehr Sanftes, sehr Beruhigendes.

Tati muss ein großer Menschenfreund gewesen sein. Sein Humor ist nie böse, nie hämisch, Pointen setzt er nie auf Kosten anderer. Selbst der Kellner, ein fieser Möpp, der sich immer fürchterlich über Hulot aufregt, ist eigentlich ein Netter. Oder die schwäbische Ehefrau, die immer alles besser weiß als ihr Mann, selbst sie kommt nicht wirklich unsympathisch rüber. Tati zeigt diese Menschen sehr liebevoll, es ist alles gnadenlos komisch, was sie so machen, aber die Komik ist eingebettet in Warmherzigkeit. Und das Feuerwerk am Ende ist und bleibt das genialste Feuerwerk der Filmgeschichte, da kann Hollywood noch so viele Tricks erfinden und Millionen Dollar ausgeben. Wie Hulot da mit einer Gießkanne versucht, das Feuerwerk zu löschen, das er versehentlich zu früh gezündet hat... Genial ist das.

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