Welt : Der Film meines Lebens: Regisseurin Christina Paulhofer über "Die Verachtung"

Johanna Adorján

In Jean-Luc Godards "Die Verachtung" spielt Michel Piccoli einen Drehbuchschreiber, der von einem großen Produzenten nach Capri geholt wird, um dort an der Fritz-Lang-Verfilmung der "Odyssee" zu arbeiten. Piccoli ist hocherfreut über das Angebot, aber auch ein wenig verwundert, denn er ist nur ein kleiner, unbedeutender Autor. Auf seine Frage, warum man sich für ihn entschieden habe, sagt der Produzent: "Weil Sie eine wunderschöne Frau haben."

Man ahnt es schon, diese Geschichte wird kein gutes Ende nehmen. Brigitte Bardot spielt die Ehefrau, und sie ist wirklich schön wie eine Königin. In einer der ersten Szenen liegt sie nackt auf dem Bett, Piccoli neben ihr. "Siehst Du meine Füße?", fragt sie. Er: "Ja." - "Findest Du sie schön?" - "Ja." Jedes Körperteil geht sie dann durch, Knie, Pobacken, Schultern, er findet alles an ihr wunderschön. "Also liebst Du mich ganz", sagt sie zuletzt. "Ja," sagt er, "ich liebe Dich ganz, ich liebe Dich zärtlich, ich liebe Dich tragisch." So beginnt die Tragödie. Sie verachtet ihn plötzlich dafür, dass er sie so liebt. Sieht darin nur noch Schwäche. Eine andere Szene: Piccoli sitzt in der Badewanne, hat einen Hut auf und raucht Zigarre. "Findest Du nicht, dass ich an Dean Martin erinnere?", fragt er seine Frau. Kalter Blick von ihr. "Ich finde, Du erinnerst an Esel Martin," ihre vernichtende Antwort. Je mehr sie ihn verachtet, desto mehr liebt er sie, und je mehr er sie liebt, desto mehr verachtet sie ihn. Natürlich haut sie mit dem Produzenten ab. Fährt in dessen rotem Sportwagen mit ihm davon. Auf der Autobahn kommt es zum Unfall: Beide tot. Ein Film über Sehnsucht - einer der schönsten, die ich je gesehen habe.

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